Film-Review: „Bleed For This“

von Ben Younger
mit Miles Teller, Aaron Eckhart, Katey Sagal

561072.jpg-r_1920_1080-f_jpg-q_x-xxyxx

Es gibt viele Boxerfilme, viele Biopics und so einige Boxer-Biopics. Häufig erzählen sie entweder vom Underdog, der sich zum großen Erfolg durchboxt oder vom Sieger, der am Boden zerstört ist und sich zu altem Ruhm zurückkämpft. Und dann gibt es noch viele Variationen davon. Nun denn, in der Hinsicht erfindet auch „Bleed For This“ nicht das Rad neu, zumindest nicht, wenn es um den ganz grob skizzierten Ablauf der Geschichte geht.

Wovon sich die Hauptfigur Vinny Pazienza (Miles Teller) erholt und vor allem wie, ist jedoch allemal eine beachtliche Geschichte: Nach einem erfolgreichen Titelgewinn, erleidet Pazienza einen schweren Autounfall, im Zuge dessen sein Genick gebrochen wird. Nur mit viel Glück überlebt er, muss aber anschließend mehrere Monate lang eine spezielle Halskrause aus Metall tragen, die an seinen Kopf geschraubt wird. Boxen? Wird er nie wieder, sagt man ihm. Aber sein Wille ist ungebrochen und so trainiert sich Pazienza langsam wieder zu alter Bestform zurück.

Vom Genickbruch zum Champ, das allein ist eine tolle Story und meines Erachtens auch das Beste an „Bleed For This“. Wie sich Vinny nach solch einem Schicksalsschlag zurück trainiert, geht über die sonst im Genre so typische Trainingsmontage hinaus, da auch die leisen Momente dazwischen dazugezählt werden müssen, in denen er sich stoisch gegen jede Vernunft auflehnt. Miles Teller als Hauptdarsteller ist dabei absolut überzeugend. Zwar sportet er keine solch beeindruckende Statur wie zum Beispiel Jake Gyllenhaal in „Southpaw“, nichtsdestotrotz überrascht Tellers physisches Auftreten, während er den zunächst abgehobenen, dann gedemütigten, aber niemals aufgebenden Charakter Pazienzas auf den Punkt spielt. Auch die Nebendarsteller überzeugen, von denen besonders Aaron Eckhart als Trainer und Ciarán Hinds als Vinnys Vater starke Akzente setzen können.

Leider ist die Inszenierung eine kleine Spur zu konventionell geraten und ausgerechnet die Boxszenen hätten filmisch etwas mehr „Punch“ vertragen können. Zwar muss es nicht immer ein großer Kniff sein wie der One-Take-Kampf in „Creed“, aber das letzte Quäntchen Intensität fehlt in „Bleed For This“. Da hilft es auch nicht, dass man seit langem wieder falsche Treffer als solche ausmachen kann – zumindest war das mein persönlicher Eindruck. Dramaturgisch ist vieles vorhersehbar und auch der Schnitt wirkte an einigen Stellen entweder holprig oder grob.

Trotzdem ist „Bleed For This“ ein äußerst solides Sportler-Biopic geworden, das von starken Darstellern getragen wird und einfach eine interessante Geschichte erzählt, die zumindest so im Boxgenre seinesgleichen sucht.

7/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s