Film-Review: „Butterfly Kisses“

Regie: Rafael Kapelinski
mit: Rosie Day, Theo Stevenson, Elliot Cowan

201719218_1

Drei Jugendliche aus sozial schwachem Milieu, die einfach nur gerne zusammenhängen, während die Kamera edle schwarz-weiße Bilder davon einfängt: Das klingt verdächtig nach „La Haine“, dem französischen Klassiker von Mathieu Kassovitz, und in der Tat sind die Parallelen zunächst nicht von der Hand zu weisen. Doch schnell bemerkt man, dass „Butterfly Kisses“ in eine ganz andere und ziemlich abgründige Richtung schlägt.

Dabei werden typischer Gruppenzwang unter Herwanwachsenden und damit der äußere Druck mit anderen gleichzuziehen thematisiert. Sex spielt dabei eine besonders große Rolle. Jake (Theo Stevenson) ist der einzige seiner Clique, der einfach kein Glück bei den Mädels hat und während seine Freunde mit ihren sexuellen Eskapaden prahlen, wird er gleichzeitig von ihnen aufgrund seines Misserfolgs aufgezogen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Neckereien in aller Freundschaft geschehen oder nicht – sie sprechen explizit ein extrem wundes Thema bei Jake an, dessen sexuelles Begehren zwar aufblüht, aber nicht ausgelebt werden kann.

Schon bald zeichnet sich ab, dass Jake womöglich aufgrund dessen eine Vorliebe entwickelt, die unter Strafe steht: Obwohl er sich durchaus in die etwa gleichaltrige Zara (Rosie Day) verguckt, scheint in ihm ein Hang zur Pädophilie inne zu wohnen. Auch wenn der Film zum Glück keine expliziten Bilder dafür findet, wird dieses dunkle Verlangen durch viele Andeutungen unmissverständlich klar. Ein ganz besonders demütigendes Ereignis sorgt dann für eine Katastrophe in der Handlung.

Pädophilie ist kein einfaches Thema, erst recht nicht für einen Jugendfilm, in dem auch der jugendliche Protagonist darunter leidet. Allein diese ungewöhnliche Thematik ist durchaus mutig und erzählerisch versucht der Film, dem Ursprung der Krankheit auf den Grund zu gehen und bietet mit sozialem Druck und unterdrückter Sexualität einige mögliche Gründe dafür an.

Das alles wird in „Butterfly Kisses“ in, wie bereits erwähnt, famose Bilder getaucht, in denen eine Vielzahl einfallsreicher Winkel und atmosphärischer Einstellungen zum Tragen kommen. Zudem sind insbesondere die jungen Darsteller einfach toll. Sie wirken absolut authentisch, stemmen aber auch dramatischere Szenen mit links. Leider leistet sich der Film ausgerechnet bei seinem absoluten Höhepunkt eine eklatanten dramaturgischen Schnitzer, der einem zentralen Moment in der Erzählung einiges von seiner möglichen Wirkung nimmt, indem unnötigerweise kurze Nebenplots nochmal hervorgekramt werden, die zu diesem Zeitpunkt schon längst vergessen schienen.

In der Gesamtschau kann das allerdings nicht verhindern, dass „Butterfly Kisses“ ein mutiger Film und ein äußerst bemerkenswertes Spielfilmdebüt von Regisseur Rafael Kapelinski ist, das ästhetisch wundervoll aussieht und inhaltlich schweren Tobak abliefert.

8/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s