Film-Review: „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“

von James Gunn
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Kurt Russell

guardians 2 review

Frische hat ein Verfallsdatum, das ist fast schon ein Naturgesetz und das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für kreative Erzeugnisse. Was einst innovativ und neu war, kann schon wenig später verbraucht wirken. An der Stelle kommt dann auch für mich „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ ins Spiel. Punktete der Vorgänger mit einem bis dato unerhört frechem Mix aus Oldie-Mucke und popkulturellen Anspielungen, durchgeknallten Figuren und einer knallbunten Inszenierung, so wartet auch der zweite Teil damit auf – nur irgendwie interessiert es mich nicht mehr.

Schon „Guardians 1“ war „nur“ unterhaltsam, allerdings bewies der Film kaum eine nennenswerte Halbwertzeit. Im Grunde genommen wirkte er bei einer zweiten Sichtung wie ein einziger Gag, aber wenn es ums dramatische geht, um Action und Spannung, da versagte die Marvel-Comicverfilmung wie viele andere auch dank vieler bunter Effekte, die aber zu keiner Zeit etwas Aufregendes beizutragen hatten. Stattdessen war sich der Film zu jederzeit bewusst, wie cool er doch ist und zugegeben, für eine Zeit lang war er es wirklich. Teil 2 nimmt nun diese Attitüde und schmiert sie einem regelrecht ins Gesicht, denn aus frischen Ideen sind Formeln geworden, die man einfach anwenden kann.

Man könnte aber auch sagen, dass all dies einfach eine eigene filmische Identität ist und da mag sogar etwas dran sein. Umso alberner wirkt sie meines Erachtens allerdings, wenn nun verstärkt Figurenentwicklung betrieben wird und sich besonders in der langen Mitte des Films jede Menge Durststrecken ergeben, weil vielerorts im Universum ernsthafte Dialoge geführt werden. Die empfand ich nicht nur als weitestgehend langweilig, zumal der Plot einfach kaum vorwärts kommt. Sie stehen meines Erachtens sogar ziemlich konträr zum betont lebendigen Rest, weshalb sich hier zwei Ebenen im Film ausbreiten, die so nicht miteinander funktionieren. Gags müssen pflichtbewusst eingestreut werden, um eine ernste Szene aufzulockern, aber es fühlt sich oft erzwungen an oder sie verfehlen ihre Wirkung. Und als Zuschauer weiß ich doch sofort, wenn in einer großen Actionszene erst einmal ein cooler, aber lässiger Song aus den Boxen ertönt, dann kann ich an dieser Stelle kaum mit Spannung rechnen – besonders im Finale ärgerlich.

Visuell macht „Guardians 2“ allerdings eine Menge her und das nicht nur wegen der vielen bunten Effekte. Chef-Kameramann Henry Braham beweist jedenfalls ein sehr gutes Auge für wohlkomponierte Bilder und liefert mehrmals posterwürdige Einstellungen ab. Musikalisch gibt es den üblichen Mix aus alten Songs und einem traditionellen Score – und es ist der x-te Film, der die Musik aus „Mad Max: Fury Road“ zu kopieren scheint.

Kann man denn nun mit „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ trotzdem seinen Spaß haben? Mit Sicherheit, wer sich gerne die Zeit mit Bonbon-Action vertreiben möchte, die Figuren liebt und jede Menge auf nostalgische Referenzen gibt. Ich empfand ihn aber nur als höchst durchschnittlich und bin langsam ein klein wenig genervt von der offensiv zur Schau gestellten Nerdigkeit: Ich möchte an dieser Stelle die „Guardians“-Filme mit „Deadpool“ in einen Topf der Filme schmeißen, die ihre augenzwinkernde Selbstironie und ihr popkulturelles Bewusstsein wie Make-up tragen, das traditionelle Nerds wie moderne Hipster-Geeks verführt, aber letztendlich genauso oberflächliches Gehabe ist wie ein fein designter Computereffekt. Denn zwingend, eindringlich, intensiv, spannend und aufregend ist bei ihnen nichts und wieder nichts, auf der emotionalen Ebene gibt es bis auf wenige Ausnahmen kaum etwas zu holen. Der Spaß ist temporär, Nachwirkung verspür ich keine.

5/10

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Ein Gedanke zu “Film-Review: „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“

  1. Dankeschön für die Rezension :). Der Film fällt bei mir in die Kategorie: Naja, zusammen mit den ganzen anderen B-Movie Heldenfilmen, die in den letzten Jahren herauskamen und wirklich nur Fans begeistern können.

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