Game-Review: „Overcooked“

overcooked review

Wie es in einer professionellen Küche zugehen muss, davon geben mittlerweile unzählige Koch- und Küchenformate im Fernsehen einen recht guten Eindruck. Nur mitmachen, das kann man nicht und wer nicht gerade selbst Profikoch ist oder es sich zur Aufgabe gemacht hat, täglich seine ganze Sippschaft zu verköstigen, wird wohl auch nicht ansatzweise ein Gefühl dafür bekommen, was es wohl heißen mag, unter Zeitdruck mehrere Gerichte zu zaubern. Bis jetzt – denn mit „Overcooked“ haben die Entwickler von Ghost Town Games doch tatsächlich eine wahnwitzige Küchensimulation herausgebracht.

Wobei das Wort „Simulation“ zunächst ein wenig überzogen wirkt. Gemeinhin verbindet man mit dem Begriff eine möglichst realitätsgetreue Abbildung der Wirklichkeit und in vielen Aspekten trifft das bei „Overcooked“ eben nicht zu. Das fängt schon bei der knuffigen Comic-Grafik an, geht über zu der Simplifizierung der einzelnen Kochschritte bis hin zu der Tatsache, dass die verschiedenen Levels mit allerlei herausfordernden Eigenschaften ausgestattet wurden und schon mal im All, auf dem Eis oder in einem Geisterhaus angesiedelt sind. Was aber mit ziemlicher Sicherheit der Realität sehr nahe kommt sind der Stress, die Hektik, das Chaos!

Das Spielprinzip ist zunächst denkbar einfach: In einer Küche müssen bis zu maximal vier Köche kontinuierlich eintrudelnde Bestellungen bearbeiten, für die sie nur eine begrenzte Zeit haben. Je schneller man ein Gericht serviert, desto besser, aber vorsicht, wenn es zu lange dauert, dann gibt es Punktabzug. In vielen Levels kommt auch noch das dreckige Geschirr zurück, das nebenher abgewaschen werden will. Wenn dann auch noch Hindernisse wie Glätte, sich verschiebende Elemente oder Förderbänder dazu kommen, gerät die Sache sehr schnell aus dem Ruder. Aber darin liegt ja der Reiz: „Overcooked“ ist als Couch-Coop-Spiel angelegt, bis zu vier Möchtegernköche können sich gleichzeitig vor den Bildschirm setzen und loslegen.

Und um vier Spielfiguren auf engem Raum mit einem gemeinsamen Ziel miteinander zu koordinieren, gebraucht es vor allem einer extrem hohen Kommunikationsfreudigkeit. Aufgaben wollen verteilt werden und möglichst sollte man sich nicht im Wege stehen, denn sonst droht man, sich gegenseitig von der Arbeitsstation wegzuschubsen. Teamwork ist unabdingbar, ständig muss man sich darüber auf dem Laufenden halten, wer was gerade macht, damit der andere Spieler seine Schritte entsprechend planen kann. Anders als bei Online-Shootern zählen Skills hier gar nichts, keiner kann unmöglich alleine den Kochtopf-Rambo geben und gleichzeitig abwaschen, braten, kochen und schnippeln. In der Hektik kann das schnell und auf äußerst hysterisch-lustige Weise ausarten: Wenn ein Mitspieler nicht rechtzeitig eine Tomate weiterreicht, damit ein anderer sie schneiden und in den Kochtopf werfen kann, kann man sich schon mal lautstark die Forderungen gegenseitig an den Kopf hauen, während man versucht, nichts anbrennen zu lassen (zum Glück steht ein Feuerlöscher immer bereit) – im Multiplayer ist „Overcooked“ wahrlich zum „Brüllen“ komisch.

Aber auch alleine bietet das Spiel einen nicht zu unterschätzenden Reiz, denn dann mutiert es zu einer Tour de Force des Multitaskings. Statt vier steuert man alleine zwei Köche, zwischen denen man jederzeit via Knopfdruck hin und her wechseln kann. Ihre Wege und Aktionen aufeinander abzustimmen und den Figurenwechsel zu timen, sorgt für permanent durchschmorende Synapsen. Wer das Spiel auf diese Weise meistert, sollte es sich anschließend mit stolzer Brust in den Lebenslauf schreiben.

Im Laufe der Kampagne spielt man übrigens auch neue Level frei, in denen man gegeneinander in Zweierteams antreten kann. Im Grunde genommen muss man „nur“ mehr Bestellungen schaffen, als das gegnerische Team, aber es wäre kein echter Versus-Modus, wenn man sich nicht auch dabei behindern könnte. Aus dem intensiven Teamgeist der Koop-Missionen wird dann schnell purer Hass!

Wer also mal wieder seine Freunde zu einer geselligen Runde einladen möchte, liegt mit „Overcooked“ genau richtig. Das Spiel ist schnell erlernt und bietet trotzdem stundenlang äußerst kniffligen Spaß. Guten Appetit!

9/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s