Film-Review: „Alien: Covenant“

von Ridley Scott
mit Katherine Waterston, Michael Fassbender, Billy Crudup

alien review

Ridley Scott brauchte einen saftigen Schlenker namens „Prometheus – Dunkle Zeichen“, doch nun scheint er mit „Alien: Covenant“ wirklich wieder dorthin zurückgekehrt zu sein, wo die Saga um das schleimige Monster einst anfing: Bei „Im Weltraum hört dich niemand schreien“, bei echtem Horror im All. Der Fan weiß, was die Stunde geschlagen hat, schon zu Beginn, wenn eine ganz vertraute Schriftart mit einem allseits bekannten Effekt auftaucht und dazu auch noch Jerry Goldsmiths Filmmusik aus dem Original-„Alien“ von 1979 zitiert wird.

Kreuz und quer durch den Film gibt es Anspielungen und Fanservice auf alte Filme, aber natürlich insbesondere auf Scotts Klassiker von damals. Das geht sogar so weit, einen bestimmten Punkt im Handlungsverlauf aus dem Original fast identisch zu übernehmen. Geschenkt – die Bilder wissen zu überzeugen, die Atmosphäre ist rätselhaft und doch anmutig, aber schon bald regiert der blanke Terror. Gerade im gefühlt ersten Drittel macht „Covenant“ eine Menge richtig und fühlt sich mitunter an wie „Alien 1“ auf Steroiden, was gar nicht abfällig gemeint ist. Scott gibt seinem Klassiker ein ordentliches Update, das mit dem ersten Auftreten tödlichen außerirdischen Lebens eine Intensität erreicht, die den größten Momenten der Filmreihe zu Ehre gereicht und auch den Gewaltgrad beträchtlich nach oben schraubt. Bis hierhin möchte man sagen fast sagen, „Covenant“ wäre famos.

Das gilt auch, obwohl die Figuren weitestgehend nur äußerst grob skizziert wurden. Logisch, dass viele den Horrortrip nicht überleben werden und die, die es tun, legen eine mitunter irritierende psychische Sprunghaftigkeit an den Tag: Der oder die Liebste muss oft genug betrauert werden, aber gerade weil die emotionale Fallhöhe ursprünglich so extrem angelegt wurde (die Crew besteht ausschließlich aus Paaren), verpuffen Reaktionen auf Verluste schnell im eher action-orientierten Plot. Trotzdem kann man den Darstellern nichts vorwerfen, sie sind zu jeder Zeit vollends präsent und legen alles in ihre Figuren, selbst wenn aus ihnen anscheinend nicht viel hervorzubringen ist. Katherine Waterston als Ripley-Erbin (im passenden Unterhemd-trifft-dicke-Knarren-Look) und natürlich Michael Fassbender in einer Doppelrolle als Androiden David und Walter setzen da noch die stärksten Akzente.

Aber leider ist „Alien: Covenant“ auch eine Fortsetzung zu „Prometheus“ und als solche wollen Themen zum Ursprung des Lebens und dem Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung, sowie religiöse Anspielungen verhandelt und vertieft werden. Mit dem Erscheinen von Fassbender als David bekommt die Dramaturgie jedenfalls einen deutlich spürbaren Dämpfer verpasst – auf einmal muss mehr, viel mehr gesprochen und erklärt werden, nachdem der Film bis dahin ein kompakter und höchst effektiver Thriller war. Das mag an zentrale Punkte des Vorgängers anknüpfen, aber dezente Langeweile kann dennoch nicht gänzlich von der Hand gewiesen werden. Zumal nun angedeutet wird, woher der klassische Xenomorph überhaupt herkommt (und was ich in Retrospektive eigentlich gar nicht wissen wollte, weil es den Mythos abschwächt). Die neue Alien-Art, die im Film herumspringt, ist übrigens unheimlich, aber natürlich kein Vergleich zum einzig wahren H.R.-Giger-Alien.

Weitere vorhandene logische Ungereimtheiten sollen an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Es bleibt jedenfalls festzuhalten: „Alien: Covenant“ ist ein viel besserer „Alien“-Film als sein Vorgänger, aber so ganz konsequent blieb Scott nun doch nicht. So fühlt sich der Film zwiespältig an, da in ihm die DNS zweier Werke zu schlummern scheint, die eher nebenher ko-existieren und leider kein stimmiges Gesamtbild ergeben. Aber immerhin, es gibt ein echtes Alien-Monster im Kino zu sehen. Das reicht auch zum Glücklichsein.

6/10

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