Film-Review: „Planet der Affen: Survival“

OT: War For The Planet Of The Apes
von Matt Reeves
mit Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller

Twentieth Century Fox's "War for the Planet of the Apes."

Vor „Planet der Affen: Prevolution“ habe ich noch nie einen einzigen Film aus dem „Affen“-Franchise gesehen und auch den Film wollte ich mir damals zunächst nicht anschauen. Ich hielt es dummerweise für zu „affig“. Da sich mir dank meines Jobs im Kino die Möglichkeit bot, den Film umsonst anzuschauen, habe ich es trotzdem getan. Irgendetwas muss doch an dieser Reihe dran sein, dachte ich mir. Meine Güte, ich wurde eines Besseren belehrt. Begeistert verließ ich den Kinosaal und auch einige Jahre später beeindruckte mich der Nachfolger „Planet der Affen: Revolution“ über die Maßen. Nun habe ich bereits den dritten Teil sehen dürfen und eines steht jetzt schon für mich fest: Die „Affen“-Prequelreihe ist die vielleicht beste Filmtrilogie seit Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“.

In „Planet der Affen: Survival“ hat sich der Konflikt zwischen Menschen und Affen weiter zugespitzt und bei einer erneuten Auseinandersetzung müssen beide Seiten große Verluste hinnehmen. Doch dann wird eines Tages ein Attentat auf den Anführer der Affen Caesar verübt, das jedoch misslingt. Fortan sinnt er auf Rache und begibt sich auf eine Reise durch ein postapokalyptisches Land.

Matt Reeves saß erneut auf dem Regiestuhl und führt konsequent Geschichte, Stimmung und Figuren aus den vorangegangenen Teilen fort und spielt wieder einmal die ganz großen Stärken aus, die auch schon die anderen Filme so gut gemacht haben: Die Produktionswerte sind außerordentlich, es gibt große, aufwendige Sets, mitunter kracht es nur so in Gefechten und die Effekte sind wieder einmal allererste Sahne – typisches Blockbusterkino möchte man meinen. Doch all das Brimborium verkommt niemals zum Selbstzweck, sondern ordnet sich stets der Handlung und den darin Handelnden unter. Reeves und sein Team gelingt das Kunststück, auf allen Sinnesebenen zu beeindrucken und trotzdem in erster Linie höchst emotionale und intime Momente zu kreieren, die niemanden kalt lassen dürften. Auffällig ist dabei der starke Einsatz von Großaufnahmen der Gesichter, in denen sich dank der perfekten Performance-Capture-Technologie jede noch so kleine Regung ablesen lässt.

Weshalb die Technik auch ganz schnell in der Wahrnehmung des Films in den Hintergrund rückt. Dies ist die Geschichte von Caesar und seinen Affen und die Figuren sind allesamt komplex und mit allergrößtem Feingespür geschrieben, dass man die Reise mit ihnen intensivst durchlebt. Stille, intime Momente voller Mitgefühl, Wut und Trauer – weil Reeves viel Zeit in die Figuren und ihrer Ausarbeitung investiert, bekommen diese Gefühle auch tatsächlich das nötige Gewicht, das sie verdienen und weshalb sie umso wirksamer sind. Im Rahmen meiner Arbeit bekam ich schon vor einer Weile in London die Gelegenheit, die erste Stunde des Films vorab zu sehen. Das damals gezeigte Material war noch nicht fertiggestellt und an einigen Stellen waren unfertige visuelle Effekte zu sehen. Doch zu keiner Sekunde hat das gestört, weil eben alles andere einfach zu gut war und die Geschichte und die Figuren zu viel Tiefgang hatten.

Neben dem inszenatorischen Können von Reeves und der famosen technischen Umsetzung, haben natürlich die Darsteller einen enormen Anteil am Gelingen des Films. Die Affenbande wird dabei erneut von Andy Serkis angeführt, dem man so langsam wirklich einen Oscar gönnt für seine komplexe Darbietung als Caesar, die natürlich weit über das bloße Imitieren eines Affen hinausgeht. Ihm gegenüber steht der wie immer äußerst sehenswerte Woody Harrelson als Antagonist, der den ambivalenten Colonel mit Verve gibt. Erwähnen sollte man auch an dieser Stelle die kleine Amiah Miller, die als taubstummes Mädchen einen wichtigen Gegenpol zu den Affen und den anderen erwachsenen Menschen bildet. Anhand ihrer Interaktion mit den Primaten werden sowohl die Figur Caesar als auch zentrale Themen wie Mitgefühl, Verantwortung, Recht und Unrecht erörtert und Miller ist als dieser kleine menschgewordene Hoffnungsschimmer einfach bezaubernd. Zuguterletzt soll noch der kraftvolle Score von Michael Giacchino nicht unerwähnt bleiben, der den Film perfekt mit eingängigen Themen musikalisch untermalt.

Perfekt ist „Planet der Affen: Survival“ insgesamt zwar dann doch nicht, weil besonders in der zweiten Hälfte des Films das Skript einige Situationen zu sehr erzwingt, dass man sich schon mal fragen darf, wie das denn jetzt zustande gekommen ist. Trotzdem: Die Makel werden von den Vorzügen bei weitem übertroffen und so bleibt zu sagen, dass es sich hierbei um einen fulminanten dritten Teil der Reihe handelt.

9/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s