Film-Review: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

OT: Valerian and the City of a Thousand Planets
von Luc Besson
mit Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Ethan Hawke

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Der wohl teuerste französische und sogar europäische Film aller Zeiten soll „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ sein und eins vorweg: Das sieht man dem Projekt auch wirklich an. Trotzdem ist es mit Sicherheit ein höchst risikovolles Unterfangen, denn es stehen knapp 200 Millionen € Produktionskosten auf dem Spiel. Ob sich diese bezahlt machen werden? Es darf ein wenig angezweifelt werden. Zwar ist Regisseur Luc Besson ein bekannter Name in der Filmwelt, aber sein Name alleine wird wohl kaum die Zuschauermassen ins Kino locken. Ebenso wenig wie seine Besetzung, denn Cara Delevingne ist meine Erachtens noch immer mehr It-Girl als Schauspielerin und Dane DeHaan ist ein großes Talent, aber leider noch weit davon entfernt, ein echter Star zu sein.

Aber selbst junge und frische Gesichter an Bord zu haben hilft nicht, wenn die Figuren, die sie spielen, blass bleiben. DeHaan spielt den titelgebenden, intergalaktischen Regierungsbeamten Valerian, der zusammen mit seiner Partnerin Laureline (Delevingne) in eine gefährliche Mission gerät, bei der mit der Zeit klar wird, dass jemand ein ganz falsches Spiel spielt. Wer die französische Comicvorlage nicht kennt (und ich gehe dreisterweise davon aus, dass das hierzulande die Meisten betreffen wird), kann bei Bessons Verfilmung keine nennenswerten Hintergründe zu den Figuren erwarten. Gleich von der ersten Sekunde an wird man lediglich mit einem zunächst nur einseitigen, romantischen Interesse Valerians an Laureline konfrontiert, die das mehr oder minder einzige Fundament ihrer filmischen Beziehung für die gesamte Laufzeit darstellt. Man spricht von Heirat, Liebe, man rettet sich gegenseitig – wirklich interessant wird das Duo zu keiner Sekunde. Da spielt es kaum eine Rolle, wer sich noch vor der Kamera tummelt: Clive Owen vermag noch ein wenig etwas zu reißen, Rihanna wird als pures Eyecandy verheizt. Ethan Hawkes kurzer, aber vollkommen entfesselter, genüsslich überspielter Auftritt hingegen macht ordentlich Laune. Aber was hilft das schon, wenn die zentralen Figuren egal bleiben.

Auch dramaturgisch und erzählerisch verzettelt sich Besson mit Fortschreiten der Handlung. Während es anfänglich noch relativ geradlinig zugeht und Interesse und Spannung dadurch aufrecht erhalten werden, weil man noch nicht weiß, wohin die Reise geht, verliert die Geschichte dann plötzlich ihren Fokus: Statt die Hautphandlung konsequent voranzutreiben, macht der Film einen riesen Schlenker zu einer Befreiungsmission, die nichts damit zu tun hat. Trotz aller Action hat man in der Phase das Gefühl, die Story komme nicht voran. Und wenn sie es dann doch tut, muss man am Ende ein wenig ernüchtert feststellen, dass nicht allzu viel an ihr dran ist, wenn mal wieder im finalen Akt in Dialogen alles noch mal ausgebreitet und erklärt werden muss.

Trotzdem: Man muss sich „Valerian“ im Kino anschauen – unbedingt sogar! Denn was Besson inhaltlich falsch macht, gleicht er mit überbordenem, visuellem Einfallsreichtum mehr als wieder aus. Selten gab es eine so bunte Welt auf der Leinwand zu bestaunen, die mit allergrößter Liebe zum Detail designt wurde und vor großen wie kleinen tollen Ideen nur so übersprudelt. Selbst wenn die Dramaturgie Hänger hat, man sitzt trotzdem gebannt und aufmerksam im Sessel, weil es im Sekundentakt etwas Neues zu entdecken gibt. Und das alleine bereitet jede Menge Freude. „Valerian“ ist unverschämt und leidenschaftlich fantasievoll, ein eskapistisches Bollwerk, mit dem, das muss man ihm zugute halten, nicht zwingend das nächste große Franchise aufgebaut werden muss. Und damit ist der Film in unserer heutigen Zeit ein rares Fundstück: Ein hoch budgetiertes und künstlerisch originelles und erfrischenderweise originäres Werk. Es bleibt wirklich zu hoffen, dass es sich rentiert, denn dieser Mut gehört belohnt, der finanzielle Erfolg wäre ein wichtiges Signal an die Filmindustrie für mehr neuartige Stoffe.

Fazit: „Valerian – Stadt der tausend Planeten“ ist bislang im Kinojahr 2017 der wohl schlechteste der Filme, bei denen sich jeder einzelne Cent für das Kinoticket ausnahmslos lohnt.

6/10

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