Film-Review: „Baby Driver“

von Edgar Wright
mit Ansel Elgort, Lily James, Jamie Foxx, Kevin Spacey, Jon Hamm

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Es gibt auf YouTube einen Video-Essay, in dem aufgezeigt wird, wie sich der Humor in Edgar Wrights Filmen vom Einheitsbrei Hollywoods dadurch abhebt, indem er stark auf filmische Mittel setzt (das Video könnt ihr euch hier anschauen). Das Video ist nur eine kleine Erinnerung dafür, was der Mann inszenatorisch alles auf dem Kasten hat und Filme wie „Shaun Of The Dead“, „Hot Fuzz“, „The World’s End“ und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ legen deutlich Zeugnis davon ab. Man durfte also mehr als gespannt sein, was der Regisseur mit „Baby Driver“ so alles anstellen würde. Und Junge, Junge, hat er abgeliefert.

Ein Musical quasi ohne Gesang? Kann es das eigentlich geben? Nach der Sichtung von „Baby Driver“ kann man die Frage ruhigen Gewissens mit „Ja“ beantworten. Was Wright hier in circa 113 Minuten fabriziert ist nicht weniger als die perfekte Symbiose aus Bild, Sounds, Schnitt und – Musik. Viel Musik, gute Musik. Beinahe kontinuierlich ertönt ein wilder, aber perfekt abgestimmter Mix aus klassischen wie zeitgenössischen Rock-, Soul- oder HipHop-Songs, deren Rythmus den Fluss der Bilder und Bewegungen im Bild vorgegeben haben. Nichts passiert hier ohne den direkten Einfluss des anderen Elementes und so entfaltet sich vor dem Auge des Zuschauers eine hinreißende Choreographie, ohne jedoch zum reinen Selbstzweck zu verkommen. Stattdessen wird der Spaßfaktor ins Unermessliche potenziert, in jeder Szene, in jeder Sequenz. Verfolgungsjagden wie Schießereien sind adrenalingeladen wie groovy, in ruhigen oder romantischen Momenten sorgt der Soundtrack für eine überhöht zuckrige Atmosphäre, deren Kitsch selbst wie ein Zitat aus alten Balladen der 60er Jahre erscheint. Da passt es auch, dass der Hauptprotagonist nur „Baby“ genannt wird, wie in den schmalzigsten und unsterblichsten Songs, die so existieren.

Die Geschichte selbst mag da auf den ersten Blick nicht mithalten zu können, geht es doch mal wieder um einen jungen, unfreiwilligen Kriminellen, der sich verliebt und fortan von einem Leben in Freiheit mit seinem Mädchen träumt. Das ist altbacken – eigentlich. In Kombination mit der musikalischen Untermalung darf man die Handlung aber ruhig eher altmodisch im positiven Sinne nennen. Die Chemie zwischen Ansel Elgort als Titelheld und Lily James als Love-Interest Debora stimmt, als Zuschauer darf man diesem schon millionenfach gesehenen Paar gerne beide Daumen für ein Happy End drücken. Und überhaupt hätte dieses Style-Feuerwerk mit dem Herz am rechten Fleck eh keine ambitioniertere Geschichte gebraucht. Als I-Tüpfelchen gibt es noch eine feine Prise Humor und prächtig aufgelegte Nebendarsteller, von denen jeder seine größeren wie kleineren tollen Momente hat.

Fazit: „Baby Driver“ ist eine coole Plattensammlung auf Speed und Zuckerwatte.

9/10

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