Film-Review: „Blade Runner 2049“

von Denis Villeneuve
mit Ryan Gosling, Harrison Ford, Jared Leto

BLADE RUNNER 2049

1982 schuf Ridley Scott mit „Blade Runner“ einen Meilenstein des Sci-Fi-Films, der zwar zunächst vom Publikum abgestraft wurde, mit der Zeit jedoch zum unbestreitbaren Genreklassiker heranwuchs. Visuell war sein futuristisches Noir-Werk eine Klasse für sich, das noch heute zu überzeugen weiß und auch inhaltlich beschäftigte es sich mit Fragen zur Menschlichkeit und Künstlicher Intelligenz, die noch immer nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. 35 Jahre später kommt nun tatsächlich die Fortsetzung in die Kinos, die Scott produziert hat und für die nun Denis Villeneuve („Arrival“, „Sicario“) auf dem Regiestuhl Platz nahm.

Zum Inhalt sei an dieser Stelle nicht viel verraten, zumal Villeneuve selbst in einer eingeblendeten Textbotschaft bei der Pressevorführung darum bat, möglichst nichts von der Geschichte preiszugeben. Dieser Bitte soll natürlich so gut es geht nachgekommen werden.

Aber auch ohne storytechnische Details preiszugeben, kann man zunächst nach der Sichtung von „Blade Runner 2049“ ruhigen Gewissens festhalten: Meine Güte, sieht dieser Film fantastisch aus. Die verschiedenen Trailer haben jedenfalls in punkto visuellem Einfallsreichtum und Stilwillen wahrlich nicht zu viel versprochen. Zum nunmehr dritten Mal arbeitete Villeneuve mit Kameramann Roger Deakins zusammen und das Ergebnis ist eine atemberaubende Augenweide, die im Kinojahr 2017 ihresgleichen sucht und ganz sicher ein heißer Anwärter auf den Kamera-Oscar 2018 sein wird. Ob das satte und intensive Orange in einer verwüsteten Stadt, die Schatten des Wassers an den Wänden oder einfach nur fein symmetrisch komponierte Frames, Deakins zieht alle Register seines Könnens und liefert eine Einstellung nach der anderen, die schon bald ikonisch werden könnte. Zu der optischen Extravaganz gesellt sich auch ein drückend-dichter Synthie-Score von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer, die in letzter Minute Jóhann Jóhannsson ersetzt haben.

Aus der audiovisuellen Kraft macht der Film keinen Hehl. Ganz im Gegenteil, mittels zahlreicher Kamerafahrten durch die futuristischen Settings zum Beispiel, für die es während der knapp dreistündigen Laufzeit reichlich Gelegenheiten gibt, badet „Blade Runner 2049“ regelrecht darin und bezieht einen Großteil seines Reizes auch daraus, denn der Film ist schlicht und ergreifend Atmosphäre pur. Die Länge erweist sich indes jedoch als nicht ganz unproblematisch: Schon der Ur-„Blade Runner“ war kein Film, in dem es nur so vor Action hagelte, sondern ein vergleichsweise sperriges Werk, das sich dramaturgisch nicht vor längeren, verhaltenen Passagen scheute, um seine Thematik zu beleuchten.

Die Fortsetzung knüpft in der Hinsicht daran an: Wann immer es in „2049“ scheppert und kracht, tut es das nur kurz und über die gesamte Dauer des Films sind diese Momente relativ spärlich gesät. Die Geschichte wird in einem gemächlichen Tempo vorangebracht, wobei man auch lange Zeit nicht weiß, wohin die Reise gehen wird und was am Ende dabei herauskommt. Und selbst dann – hat die Story diese vielen Filmminuten wirklich gerechtfertigt? Das, was auserzählt wird, ist meines Erachtens ein wenig dünner, als es die Geheimniskrämerei, die im Vorfeld um den Film gemacht wurde, rechtfertigen würde. Scotts Klassiker von ’82 punktete unter anderem auch dadurch, dass er sowohl stilistisch als auch inhaltlich frisch war und neue Gedankenimpulse gab. Und wenngleich das Sequel die filmische Welt an sich erweitert, ob er das auch thematisch tut oder die Ideen des Vorgängers intensiviert, dieser Meinung bin ich nach einer ersten Sichtung nicht. Am interessantesten ist da noch die – so viel sei verraten – „pseudo“-romantische Komponente im Film. Doch diese wurde in „Her“ von Spike Jonze bereits 2013 sehr viel ausführlicher behandelt. Ferner wird noch etwas angedeutet, von dem man eigentlich noch eine Eruption großen Ausmaßes erwarten würde (die Schauspielerin Hiam Abbass steht da im Mittelpunkt der Szene), aber das ist etwas für eine weitere Fortsetzung, wenn überhaupt. Der Mainstream-Kinogänger könnte sich jedenfalls tödlich langweilen bei „Blade Runner 2049“, aber für den wurde dieser Film ohnehin nicht gemacht.

Fazit: „Blade Runner 2049“ ist ein sinnlich betörendes und sehr langes Bollwerk, das aber vorgibt, erzählerisch und thematisch mehr zu sein, als es ist.

7/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s