Film-Review: „The Big Sick“

von Michael Showalter
mit Kumail Nanjiani, Zoe Kazan, Holly Hunter

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Es ist so abgedroschen, wie es nur geht, aber: Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Und mit „The Big Sick“ wurde die wahre Liebesgeschichte von Hauptdarsteller und Co-Drehbuchautor Kumail Nanjiani und seiner Frau Emily V. Gordon, ebenfalls Autorin des Film, auf die große Leinwand gebracht. Und während sich die echte Gordon im Hintergrund aufhält und von Zoe Kazan gespielt wird, schlüpft Nanjiani einfach selbst in die fiktionalisierte Form seines Ichs. Natürlich muss man von Anfang hinnehmen, dass vermutlich nicht alles, was im Film geschieht, wirklich so passiert ist, aber was soll’s?

Was spielt das schon für eine Rolle, denn am Ende zählt nur das Ergebnis im Kinosaal. Und das kann sich mehr als nur sehen lassen: In „The Big Sick“ versucht Nanjiani, als Stand-up-Komiker Karriere zu machen. Und obwohl das zunächst nicht so recht gelingen will, einigen Menschen gefallen seine Auftritte, darunter Emily (Kazan). Nach einem Gig lernen sich beide an der Bar näher kennen und sofort sprühen die Funken. Doch ihrer Liebe stehen scheinbar unüberwindbare Hürden im Weg, die vor allem mit Nanjianis strengem pakistanisch-muslimischen Elternhaus zu tun haben. Als Emily dann eines Tages schwer erkrankt und ins künstliche Koma versetzt wird, muss Kumail ausgerechnet mit ihren Eltern Zeit verbringen – was gar nicht so einfach ist…

Von Anfang an wird die wunderbare Chemie zwischen Nanjiani und seinem Co-Star Kazan deutlich. Wenn sich die beiden auf witzige und charmante Weise näher kommen, dann drückt man als Zuschauer auf der Stelle beiden die Daumen, dass sie eines Tages glücklich werden mögen. Das ist auch insofern wichtig, weil ihr Verhältnis zueinander auch das Fundament bildet für den ausgedehnten Mittelteil, in dem Emily im Koma liegt und ihre Eltern und Kumail gemeinsam auf sie acht geben und sich dabei selbst näher kennenlernen. Wäre ihre Liebe weniger gaubwürdig, der Film würde nicht funktionieren.

Dass das aber ein voller Erfolg wird, ist einerseits dem tollen Ensemble geschuldet. Nanjiani und Kazan bilden ein wunderbar liebenswertes Pärchen mit einigen urigen Schrägheiten, das sofort alle Sympathien bekommt. Ihr lebhaft-lustiges Zusammenspiel ist ansteckend, zugleich macht es einige dramatische Momente umso herzergreifender. Die übrige Besetzung steht dem aber in nichts nach: Holly Hunter und Ray Romano begeistern als Emilys Eltern und auch Nanjianis Filmfamilie und ist über jeden Zweifel erhaben.

Dass die bestens aufgelegten Darsteller überhaupt die Gelegenheit zum Brillieren bekommen, liegt aber vor allem an dem Skript: Bisweilen urkomisch geht es zu, ohne jedoch jemals den Bogen zu überspannen. Von billigen wie primitiven Zoten hält man sich in „The Big Sick“ so weit entfernt, wie es nur geht. Stattdessen kommt der Humor immer perfekt getimt, unaufgeregt, pointiert und glaubwürdig daher. Darüber hinaus glänzt das Drehbuch mit klugen und dennoch zumeist locker gehaltenen Einschüben zu Vorurteilen, Religion und Tradition und räumt zum Teil mit augenzwinkender Selbstironie mit Klischees auf, ohne jemals auch nur ansatzweise den Zeigefinger heben zu müssen. Mit all diesen Aspekten sowie der Romantik jongliert die Erzählung meisterlich und während sich „The Big Sick“ vordergründig als romantische Komödie ausgibt, ist das Werk von Regisseur Michael Showalter auch eine Geschichte über die Emanzipation eines Mannes von den starren Regeln seiner Heimat und eine über eine Grenzen einreißende Annäherung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Fazit: „The Big Sick“ mag aussehen wie ein kleiner, unaufgeregter Indiefilm, aber das fantastische, lustige wie vielschichtige Drehbuch und die tollen Darsteller sind einfach nur ganz großes, schwer unterhaltsames wie rührendes Kino.

9/10

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