Film-Review: „Kedi – Von Katzen und Menschen“

von Ceyda Torun

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Es gehört zu den großen tragischen Gegebenheiten in meinem Leben, dass ich zwar Katzen äußerst süß finde, mein Körper allerdings stark allergisch auf sie reagiert. Ohne Medikamente kann ich mich kaum über einen etwas längeren Zeitraum in ihrer Nähe aufhalten, ansonsten mutiere ich nämlich zu einer Schleimschleuder. Da kommt eine Doku wie „Kedi – Von Katzen und Menschen“ gerade recht, um zumindest in Filmform den knuffigen Vierbeinern etwas näher zu kommen.

Das Werk von Ceyda Torun ist aber bei weitem keine simple, sachliche wie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Tieren. Stattdessen ist „Kedi“ eine feinfühlige Betrachtung zur innigen, poetischen und teils spirituellen Beziehung, die Menschen beizeiten zu ihnen aufbauen können. Und wo könnte man das besser illustrieren als in Istanbul? Die türkische Metropole wird, so eine eingangs eingeblendete Texttafel, seit tausenden von Jahren von Katzen bevölkert, die zahlreich durch die Straßen streifen. Doch obwohl viele von ihnen kein Heim als Haustiere im herkömmlichen Sinne haben, werden sie vielerorts von aufmerksamen Zweibeinern umsorgt.

Deren Reflexionen zu ihren ganz eigenen, persönlichen Verhältnissen zu den Katzen fallen erstaunlich tiefgründig aus – mit simplen Ausführungen zu ihrer Niedlichkeit hält sich so gut wie niemand auf. Stattdessen werden Geschichten über Begegnungen erzählt, über ihre Bedeutungen nachgedacht und davon ausgehend wird auch über das Leben an sich und was man von den Fellknäueln lernen kann sinniert. Gedanken und Emotionen, die mit Sicherheit Katzenbesitzer auch hierzulande nachvollziehen dürften.

Die verschiedenen tierischen Protagonisten werden oft auf Schritt und Tritt bei ihren Streifzügen begleitet, die Kamera ist dabei oft ganz nah dran in Bodennähe. Diese sehr unmittelbaren Eindrücke werden zusätzlich um Einstellungen ergänzt, Totale wie Halbtotale, in denen die Katzen noch deutlicher im menschgemachten und vom Menschen bevölkerten, urbanen Raum gezeigt werden. Wenn zum Beispiel jemand vor einem Marktstand sauber macht und im selben Shot eine Katze auf einer Markise liegend zu sehen ist, dann wird eindrücklich das alltägliche und permanente Nebeneinander beider Spezies illustriert – Mensch und Katze, sie gehören einfach zusammen.

Fazit: „Kedi – Von Katzen und Menschen“ bringt dem Zuschauer keine harten Fakten bei, sondern lädt dazu ein, die Tiere sowie ihr Verhältnis zur menschlichen Welt mit einem sensiblen Blick neu zu sehen.

8/10

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