Film-Review: „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“

von Guillermo del Toro
mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Octavia Spencer

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Der mexikanische Filmemacher Guillermo del Toro beherrscht übergroße Blockbuster-Krawallnummern wie „Pacific Rim“ genauso gut wie vergleichsweise kleinere, intimere Werke wie „Pan’s Labyrinth“. Gemein ist ihnen jedoch, dass zumeist ein fantastisches Element in seinen Geschichten eine zentrale Rolle spielt – Roboter, Monster, Geister und dergleichen waren in seinen Filmen schon zu sehen. Sein jüngstes Werk „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“ schlägt in dieselbe Kerbe und erzählt von der Liebe zwischen Mensch und Fischwesen.

Elisa (Sally Hawkins) ist stumm und verdient sich ihre Brötchen als Putzkraft in einem Hochsicherheitslabor zu Zeiten des Kalten Krieges. Eines Tages bekommt sie zufällig mit, wie eine seltsame Wasserkreatur ins Labor gebracht wird, damit an ihm Experimente und Forschungen durchgeführt werden können. Doch zwischen Elisa und dem Wesen entsteht bald eine enge Verbindung und schon bald plant sie dessen Befreiung. Der skrupellose Strickland (Michael Shannon) hat sich allerdings schon an ihre Fersen geheftet…

„Shape Of Water“ ist ohne wenn und aber wunderschön anzuschauen. Von den altmodischen Kostümen hin zu den Sets, jede Einstellung im Film quillt nur so über vor Detailverliebtheit und Sorgfalt. Durch die leuchtenden Farben, die feine Kameraarbeit von Dan Laustsen und dem Score von Alexandra Desplat wird eine zauberhafte Atmosphäre heraufbeschworen, die durch zahlreiche alte Songs und Filmausschnitte mit einer gehörigen Portion Nostalgie unterfüttert wird. Aber wenngleich die dicke Schicht der hübschen Retroglasur durchaus perfekt zur märchenhaft anmutenden Liebesgeschichte passt, so kann man sich beizeiten nicht des Eindruckes erwehren, dass es zugleich ein wenig zuviel des Guten ist: Dann ertönt halt noch ein alter Song mehr, wird noch einmal auf einen Hollywoodklassiker verwiesen und ein kleines Tänzchen aufgeführt und damit der glorreichen Geschichte der Traumfabrik die Ehre erwiesen, dass es beinahe penetrant und berechnend in Bezug auf die Oscarverleihung wirkt – schließlich hat die Academy schon oft bewiesen, dass sie derlei Filme mag.

Die Handlung verläuft in relativ konventionellen Bahnen und erinnert ein wenig an „Die Schöne und das Biest“, ohne jedoch eine vollständig ausgearbeitete Figur als Biest zu präsentieren. Die Beziehung zwischen Elisa und Fischmann wird nur sehr einseitig dargestellt, zumal die Kreatur trotz menschenähnlicher Statur weitestgehend wie ein Tier mit nur begrenztem Kommunikationsvermögen erscheint. Dadurch geht der Story gerade einiges an möglichen Emotionen verloren, die auch sonst recht überraschungsarm voranschreitet – lediglich die Intensität einiger heftiger Gewaltmomente erwischen einen in diesem sonst eher romantisch-verträumten Kontext völlig unerwartet.

Was „Shape Of Water“ trotz einiger Mängel und über die schicke Oberfläche hinaus unbedingt sehenswert macht, ist das Schauspielensemble. Allen voran Sally Hawkins als Elisa ist jeden Cent des Eintrittsgeldes wert. Ohne gesprochene Sprache zur Verfügung zu haben muss sich die britische Mimin überwiegend auf ihr lebhaftes Minenspiel verlassen, dem man allerdings jede noch so kleine Nuance entnehmen kann und das den Zuschauer vollends für sich gewinnt. Es sind dann auch tatsächlich ihre Darbietung und ihre Figur der Elisa, die das Herz des Films sind und eben nicht die Liebesgeschichte zweier Außenseiter. Ohne Hawkins wäre der Film nur noch halb so sehr zu empfehlen. An ihrer Seite brillieren allerdings auch Richard Jenkins und Octavia Spencer, die für humoristische Momente sorgen (aber nicht nur) sowie der genüsslich diabolisch aufspielende Michael Shannon.

Fazit: „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“ wird getragen von einer superben Performance der Hauptdarstellerin, aber ein letztes Quäntchen mehr hätte es insbesondere in Bezug auf die Geschichte schon sein dürfen.

7/10

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