Film-Review: „Maria Magdalena“

Regie: Garth Davis
mit Rooney Mara, Joaquin Phoenix

Mary Magdalene

Die Bibel ist ein Dauerbrenner, ein echter Klassiker der Menschheitsgeschichte, wenn man es mal ganz plump und frei von jedwedem religiösen Ballast mal formulieren möchte. Und weil dieses Buch so unfassbar viele Fans hat, verwundert es kaum, dass es mittlerweile auch unzählige Filme gibt, die sich des einen oder anderen Kapitels angenommen haben. Offenbar gibt es noch heute einen regen Bedarf daran, Bibelgeschichten für die große Leinwand zu adaptieren – aber braucht man das heutzutage wirklich noch?

Den Gedanken von Sinn und Unsinn mal kurz beiseite geschoben – vielleicht sollte man biblische Geschichten einfach so ähnlich betrachten wie „Schwanensee“ fürs Ballett oder irgendetwas von Beethoven in der klassischen Musik: Das sind einfach Evergreens, die man immer und immer wieder den Leuten vorsetzen kann. In diesem Zusammenhang passt es dann auch, dass Regisseur Garth Davis sich nun mit „Maria Magdalena“ die gleichnamige Frauenfigur aus der Bibel vorgeknöpft und ihr ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

Wenig verwunderlich (zumindest für den bibelfesten Menschen) wird die Geschichte der Maria Magdalena (Rooney Mara) allerdings kaum von ihr selbst vorangetrieben, sondern von Jesus Christus (Joaquin Phoenix). Als der eines Tages in ihrer Heimat einen Zwischenstopp einlegt und Wunder vollbringt, ist Maria sofort von diesem Heiler und späteren Messias fasziniert, dass sie sich ihm prompt anschließt. Der weitere Verlauf des Films folgt in groben Schritten der Geschichte Jesu bis hin zu dessen Kreuzigung und Wiederauferstehung. Das ist allseits bekannt, erfrischend und durchaus zeitgemäß feministisch ist jedoch die Erzählperspektive ausschließlich aus der Sicht Marias – einer Frau.

Die wird gleich zu Beginn als eigenständig denkende und handelnde Person eingeführt, die sich von ihrer Familie aus eigenem Willen lossagt und auch die männlichen Anhänger Jesu beizeiten hinterfragt, die in ihr eine potentielle Gefahr für die Gruppe sehen. Am Ende, so macht es der Film unmissverständlich klar, sind eben die Frauen Träger der positiven Botschaft von Liebe, während den Männern eindeutig eine negative, weil gewalttätige Assoziation zukommt. Eine interessante Aussage im Anbetracht dessen, dass man konservativen Christen noch heute rückwärtsgewandte Familienstrukturen und Rollenverteilungen nachsagen möchte. Aber an wen ist die jetzt genau adressiert? An die Feministen, die ihren Glauben finden wollen? Oder eben an jene Bibelfanatiker, denen die Augen aufgespreizt gehören? So ganz sicher kann man sich über die Motivation und vielleicht auch Daseinsberechtigung des Films nicht sein.

Trotz aller progressiven Aussagen, die in „Maria Magdalena“ stecken, ist der Film zugleich auch seltsam altbacken. Die Perspektive mag ungewöhnlich sein, aber das, worauf der Blick fällt, erscheint trotzdem in einem kaum anderen Licht, als in anderen Adaptionen der Bibel. In der Zelebrierung von Glauben und Jesus wirkt das Werk traditionell, gewöhnlich und auch vorsichtig, um ja niemandem zu sehr in seiner religiösen Überzeugung auf den Schlips zu treten.

Und so entsteht oftmals ein sehr zwiespältiger Eindruck von den Film, der viele gegensätzliche Dinge zugleich ist: Fortschrittlich und konservativ, die gelungenen Bilder und das Voice-Over sorgen für poetische Momente, während an anderen Stellen die Grenze zum haarsträubenden Kitsch mindestens gestriffen, wenn nicht sogar überschritten wird und das trotz oder gerade wegen der gelungenen Darbietungen der Darsteller. Da muss dann auch der an sich sehr schöne Score von Hildur Guðnadóttir und dem erst kürzlich verstorbenen Jóhann Jóhannsson zur Verantwortung gezogen werden, durch den eben so manche Szene noch eine zusätzliche, mitunter unnötige emotionale Dimension verliehen wird, dass es auch der letzte begriffen hat, wie bedeutungsvoll das doch alles ist. Und obwohl der Film durch die Hauptfigur anfänglich interessant erscheint – da alles weitere ohne jedwede Überraschungen über die Bühne geht, ist „Maria Magdalena“ über die zweistündige Laufzeit schlichtweg zu langweilig.

Fazit: Gute Darbietungen, audiovisuell ein Genuss und sogar zeitgemäß – aber wen soll „Maria Magdalena“ jetzt wirklich von sich bekehren? Zumindest den durchschnittlichen Kinogänger wird diese Frage wohl kaum interessieren. Der hat nämlich alle Hände voll damit zu tun, nicht einzuschlafen.

5/10

Bildnachweis: 2018 Universal Pictures International

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