Film-Review: „Pacific Rim 2: Uprising“

Regie: Steven S. DeKnight
mit John Boyega, Scott Eastwood, Charlie Day

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Riesige Roboter kämpfen gegen riesige, aus dem Meer emporsteigende Monster aus einer anderen Dimension – 2013 ließ Regisseur Guillermo del Toro mit seinem Actionkracher „Pacific Rim“ reihenweise Erwachsene wieder zum Kind werden, die sich einfach ganz unschuldig an dem gigantomanen Gekloppe ergötzen durften. Nun steht die Fortsetzung „Pacific Rim 2: Uprising“ in den Startlöchern, auf dem Regiestuhl nahm dieses Mal Steven S. DeKnight Platz. Ob seine Arbeit dem Vorgänger gerecht wird?

Jake Pentecost (John Boyega) sollte eigentlich in die ziemlich großen Fußstapfen seines Vaters Stacker treten, der sich einst im Kampf gegen die Kaiju geopfert hat. Doch daran hat er nicht das geringste Interesse und stattdessen schlägt er sich als Dieb und Dealer von Hehlerware durch. Seine zweifelhafte Karriere findet aber ein jähes Ende, als eine neue und bislang nie dagewesene Bedrohung die Menschheit angreift. Und auf einmal sind die Kaiju nicht mehr das einzige Problem auf der Erde. Jake hat keine andere Wahl, als seiner wahren Berufung doch noch zu folgen: Jägerpilot sein!

Der Vorgänger war schon kein Geniestreich und geht auch ganz sicher nicht in die Annalen der Filmkunst ein, aber ein souveränes Stück Actionkino im ganz großen Maßstab war „Pacific Rim“ allemal, das bei all dem Krawall trotzdem Stilbewusstsein und ein Herz für seine diversen (und teils überkandidelten) Figuren bewies. Gute Voraussetzungen für ein Sequel also, um darauf aufzubauen. Die Produktionsgeschichte zu „Uprising“ geriet jedoch ziemlich kompliziert, zwischenzeitlich galt das Projekt sogar als eingestampft und nicht weniger als vier Drehbuchautoren werden in den Credits genannt. Das Chaos macht sich leider auch im fertigen Film bemerkbar.

Denn der inhaltliche Fokus erscheint beim Schauen ziemlich unstet zu sein, weshalb man am Ende den Eindruck bekommt, dass viele Aspekte in der Story letztendlich dafür gesorgt haben, dass zu wenig Zeit auf das verwendet wird, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Kämpfe zwischen Robotern und Monstern und mittendrin vernünftig aufgebaute Figuren. Doch aus den vielen neuen und bekannten Protagonisten kann sich eigentlich nur John Boyega dank seines Charismas wirklich nach vorne spielen – trotz scheußlicher und abgedroschener Dialogzeilen, gegen die dann Leute wie Scott Eastwood oder auch Newcomerin Cailee Spaeny nur wenig überzeugend ankommen. Dafür wird man mit vermeintlicher Kritik zum Einsatz von Drohnen konfrontiert oder mit einer angedeuteten Dreiecksbeziehung, die Fremdscham erzeugt und Mitleid für Schauspielerin Adria Arjona.

Darüber hinaus gibt es auch gefühlt viel mehr von den beiden verrückten Wissenschaftlern Gottlieb (Burn Gorman) und Geiszler (Charlie Day) zu sehen. Doch während sie noch im Vorgänger als Comic Relief eingesetzt wurden und in der Funktion auch wohldosiert zum Einsatz kamen, sind ihre Auftritte im zweiten Teil vor allem eines: nervig. Das mag einerseits mit der zugenommenen Screentime zusammenhängen, die sie eben mit noch mehr komödiantischem und wenig lustigen Overacting zu füllen wissen. Zum anderen geht es auch um ihre Figuren selbst, denn insbesondere Geiszler muss für jede Menge peinliche Momente herhalten, die bei dem ach so lustigen Versuch, chinesisch zu sprechen, erst anfangen. Die irre Entwicklung seiner Figur setzt dem Ganzen noch die Krone auf, aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Fatalerweise kommen ausgerechnet die Hauptantagonisten des ersten Teils in dem durchaus wirr erzählten Plot dieses Mal zu kurz und das sind die Kaiju, diese Monster so hoch wie Wolkenkratzer, die alles zerstören, was sich ihnen in den Weg stellt. Ihre Auseinandersetzungen mit den erneut ziemlich coolen Jaegern (die auch wieder sehr coole Namen tragen – wer lässt die sich eigentlich einfallen?) sind doch eigentlich das Aushängeschild der Filme, der Grund, weshalb man ein Kinoticket kaufen geht. Unverzeihlich jedoch ist, dass sie bis zur finalen Schlacht nur eine untergeordnete Rolle in „Uprising“ spielen. Klar, ihre Präsenz ist jederzeit spürbar, aber wirklich eingreifen tun sie die meiste Zeit nicht. Stattdessen wird man mit kurzen Rückblenden, Simulationen, Grafiken oder Kurzauftritten fernab des hauptsächlichen Geschehens vertröstet.

Und wenn es dann endlich zur Sache geht, so wird man das Gefühl nicht los, dass der Film ein wenig zu sehr kompensieren muss, dass die Scharmützel sich zuvor eher auf Jaeger-gegen-Jaeger-Action konzentriert haben (die ist übrigens ganz solide – aber mal ehrlich, wer wollte das schon sehen?). Gleich drei Kaijus treten dann gegen vier Riesenroboter an, erwartungsgemäß folgt eine einzige Materialschlacht, die aber in ihrem tumben Exzess zwar auf den ersten Blick den Vorgänger in den Schatten zu stellen scheint, aber zugleich und zu diesem späten Zeitpunkt nur noch ermüdet. Das aufrichtige Interesse an dem Film wurde jedenfalls schon vorher verspielt. Dass die tollen Neonlichter und die allgemein starken Farben des Erstlings komplett abhanden gekommen sind, macht die Schmach perfekt, visuell ist der zweite „Pacific Rim“ einfach eine ganze Spur hässlicher geraten.

Fazit: „Pacific Rim 2: Uprising“ hat in vielerlei Hinsicht mehr, nur nicht mehr von dem, was man wirklich sehen will.

4/10

 

Bildnachweis: Universal Pictures International France

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