Film-Review: „A Quiet Place“

Regie: John Krasinski
mit Emily Blunt, John Krasinski

null

Warum denn immer dicke Drehbücher mit ellenlangen Dialogen verfassen, wenn es auch viel einfacher geht? Manchmal reicht nur eine simple Idee, eine interessante Prämisse, die gekonnt und konsequent durchexerziert wird, um einen unterhaltsamen Film abzuliefern. Und genau das hat Regisseur und Hauptdarsteller John Krasinski mit „A Quiet Place“ getan.

Keiner weiß, woher sie kommen und was genau sie sind. Aber Außerirdische haben eines Tages die Welt angegriffen und alles zerstört. Die Überlebenden versuchen, sich in dieser neuen Zeitrechnung zurecht zu finden. Und eigentlich können sie auch ein relativ unbeschwertes Leben führen. Die einzige Bedingung: Sie müssen mucksmäuschenstill sein. Denn die Invasoren aus dem All hören extrem gut und greifen jede Geräuschquelle an, die ihnen nicht in den Kram passt…

Die Spielregeln sind schnell etabliert, dafür sorgt eigentlich schon der Filmtitel: Die von Emily Blunt, John Krasinski und anderen gespielten Protagonisten müssen möglichst still ihr Dasein fristen, ansonten locken sie grässliche Kreaturen an, die mit ihren Klauen alles in Stücke reißen. Aus der simplen Idee wird aber im Film wirklich beinahe alles herausgeholt, was in einem raumzeitlich begrenzten Rahmen und bei kurzer Spielzeit möglich ist: Die gesprochene Sprache fällt fast vollständig weg, stattdessen behelfen sich die Figuren mit Gebärdensprache und Mimik, während inszenatorisch visuelles Storytelling, Vorwegnahmen, ein präziser Schnitt und ein starker Soundteppich für einen maximalen Effekt sorgen.

Es ist erstaunlich, aber die Grundidee des Films sorgt für ein unterbewusst anderes Sehen. Die Exposition wird nicht ausufernd verbal abgehandelt, wie man es schon in unzähligen Filmen erlebt hat, stattdessen werden nahezu alle Informationen über das Bild vermittelt. Als Zuschauer blickt man dann umso konzentrierter auf die Leinwand und saugt jede Einstellung intensiv auf, so das subjektive Gefühl. Akustisch hingegen sorgt das große Schweigen im Anbetracht der Bedrohung für eine permanente Anspannung: Normalerweise verweisen Horrorfilme mit Stille auf den nächsten lauten Jumpscare. Aber wenn es die ganze Zeit ruhig und leise ist, dann sind sie weniger gut zu antizipieren, der plötzlich eintretende Schock auf der Tonspur wirkt umso gewaltiger.

In Bezug auf den Schrecken wird bei „A Quiet Place“ permanent an der Intensität geschraubt, immer neue Situationen ergeben sich aus der vorherigen, die auch noch zumeist in Bezug auf die Idee sehr schlüssig erscheinen. Doch eben weil man die Regeln der Filmwelt kennt, kann man noch besser mitfiebern, da man oftmals versteht, dass sich die Figuren in schier ausweglose Fallen manövrieren, aus denen nur schwer ein Entkommen ist, ohne dass es allzu erzwungen wirkt. Trotzdem kann auch ein so sorgfältig ausgearbeiterer Film nicht ohne kleinere Mäkel, von denen sich insbesondere der Einsatz eines „Gegenmittels“ hervortut, der ein wenig zu beliebig wirkt, obwohl auch dieses nicht ganz an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Erfreulicherweise wird bei all dem fabrizierten Terror die im Mittelpunkt stehende Familie in der Geschichte nicht zu einem Haufen farbloser Figuren degradiert. Krasinski widmet ihnen besonders in der ersten Filmhälfte viel Zeit und etabliert ihre Beziehungen untereinander auf rührende Weise. Gleichzeitig porträtiert er das Leben in Stille ausgiebig und stößt Gedanken über den plötzlichen Wegfall der gesprochenen Sprache und seinen Folgen an, dass man gerne zu dem Schluss kommen möchte: Eigentlich quasseln wir alle viel zu viel. All dies ist im Anbetracht der Tatsache, dass der Film ohne viel Kontext auskommt, durchaus eine Leistung. Warum die Welt so ist, wie sie ist, wird kaum erklärt – also woher die Aliens kommen und was ihre Motivation ist – und ebenso erfährt man nichts über die Personen vor den Geschehnissen im Film. Doch ihre Liebe und Zuneigung füreinander ist nicht einfach nur ein Klischee, sondern wirklich spürbar, die fantastischen Darsteller haben daran einen enormen Anteil.

Fazit: „A Quiet Place“ hat eine einfache, aber interessante Idee und tut verdammt gut daran, sich auch an sie zu halten. Ein höchst effektiver Ritt, der einen in seinen besten Momenten vor lauter Anspannung mit offenem Mund starren lässt und damit sprachlos macht.

8/10

 

Bildnachweis: 2017 Paramount Pictures. All Rights Reserved. / Jonny Cournoyer

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s