Film-Review: „Deadpool 2“

Regie: David Leitch
Mit Ryan Reynolds, Josh Brolin, Zazie Beetz

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Der erste „Deadpool“-Film mauserte sich 2016 zum erfolgreichsten R-Rated-Film aller Zeiten mit einer geradezu unverwechselbaren Mischung aus derbem und doch augenzwinkerndem Meta-Humor, Gewalt, nostalgischem Soundtrack und der Tatsache, dass auch das auf einer Comicvorlage von Marvel basiert. Nun kommt die unvermeidliche Fortsetzung in die Kinos, in der an die etablierten Qualitäten des Vorgängers direkt angeknüpft werden soll.

Wade Wilson (Ryan Reynolds) alias Deadpool ist jetzt auch international unterwegs und macht weltweit böse Buben dem Erdboden gleich. Als er bei einem seiner Streifzüge in der Heimat jedoch einen Fiesling entkommen lässt, entwickelt sich diese Entscheidung nur wenig später zu einem Bumerang mit tragischen Folgen. Einen Schicksalsschlag später muss er sich nicht mehr mit einer Trauer und dem Wohlwollen von Colossus (Stefan Kapicic) herumplagen. Plötzlich taucht noch der schwer bewaffnete Cable (Josh Brolin) auf, der Jagd auf den jungen Mutanten Russell (Julian Dennison) macht. Aber woher kommt Cable eigentlich und warum will er ausgerechnet einen kleinen Jungen aus dem Verkehr ziehen?

Für „Deadpool 2“ übernahm David Leitch („John Wick“, „Atomic Blonde“) die Regie und in seinen besten Actionmomenten ist sein Einfluss wirklich zu sehen. Der Miteigentümer der Action-Design-Schmiede 87Eleven und langjährige Stunt-Coordinator weiß ganz genau, wie man es am besten auf der Leinwand krachen lässt und in dieser Hinsicht ist sein Sequel dem Vorgänger deutlich überlegen. Besonders die Kämpfe zwischen dem Titelhelden und Cable sind angenehm druckvoll choreographiert und weitestgehend übersichtlich inszeniert. Wenn allerdings das Spektakel überhandnimmt, wird man einmal mehr mit eher durchschnittlichen Effekten aus dem Computer konfrontiert.

Doch wie so manch andere Filme auch krankt „Deadpool 2“ an seiner eigenen zur Schau getragenen Coolness und dem Fehlen einer echten Gefahr: Sobald ein perfekt ausgewählter Song in einer noch so dramatisch aussehenden Actionsequenz zum Einsatz kommt, gibt es auch in diesem Film nichts, einfach gar nichts mehr, was jedwede Form von Anspannung seitens des Zuschauers rechtfertigen würde. Hier wie auch zum Beispiel bei „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ entsteht dadurch sofort eine ironische Brechung des Gezeigten – für die Figuren geht’s zwar um Leben und Tod, aber eigentlich ist das alles nicht so schlimm, wie es aussieht, so scheint man vermitteln zu wollen.

Stattdessen gibt es noch den x-ten dämlichen Spruch Richtung Publikum, eine weitere Anspielung, die über die Grenzen der filmischen Realität hinaus auf ihr artifizielles Konstrukt verweist und Flüche im Sekundentakt. Die „Deadpool“-Filme wollen so dringlich frech und unangepasst sein, dass man nach dem Schmunzeln – und zugegebenermaßen, man schmunzelt viel – nur noch das Gefühl hat, dass sich da jemand oder etwas aufs penetranteste anbiedern möchte. Der Humor verfügt dabei über keine nennenswerte Halbwertszeit und fällt der einmal weg, offenbart sich ein erneut sehr abgedroschener und mitunter holpriger Plot, der an „Terminator“ erinnert und dem Helden dieses Mal jede Menge Emotionen und Mitgefühl entlockt. Das mag mit dem bis dahin aufgebauten Bild der Figur nicht stimmig zusammengehen und einige furchtbar lange und enorm kitschige Szenen mit Billo-Moral zieht das auch noch nach sich. Die Abspannsszene jedoch, die funktioniert so losgelöst vom Rest des Films einfach vorzüglich.

Man darf allerdings gespannt auf die Zukunft sein, denn am Ende scheint sich eine neue Truppe gefunden zu haben, die aus einigen interessanten Mitgliedern besteht. Neuzugang Josh Brolin überzeugt übrigens als Cable mit seiner schieren Leinwandpräsenz. Mit ordentlich antrainierter Muskelmasse und tiefer Stimme ist er in fast jeder seiner Szenen die absolute Autorität und außerdem ist seinem Cable eine ebenfalls tragische Hintergrundgeschichte vergönnt, die im Spiel von Brolin (und dessen Gesicht) viel glaubwürdiger, fühlbarer und damit besser kanalisiert wird als bei Deadpool. Von den weiteren Nebendarstellern spielt sich außerdem Zazie Beetz als Domino ins Gedächtnis, die mit lässigem Selbstbewusstsein einige Szenen stiehlt.

Ryan Reynolds kommt indes die undankbare Aufgabe zu, das tonale Ungleichgewicht, das im Film in erster Linie von seiner Figur ausgeht, zu stemmen, wogegen er sich nach Kräften abmüht. Aber vielleicht ist auch einfach nur die Vorstellung eines gebrochenen, traurigen Deadpools, der später sein ganz großes Herz für sich neu entdeckt, wie ein seltsames Paradoxon, bei dem man mitunter nicht so recht weiß, ob das ernst oder wieder einmal ach so ironisch gemeint ist – besonders am Ende ist man nur noch irritiert.

Fazit: „Deadpool 2“ wird weder besonders viele neue Fans gewinnen, noch alte abschrecken können. Die bewährten Zutaten sind alle da und sorgen vermengt für einige Kurzweil und viele Lacher ohne nennenswerte emotionale Substanz. Dazu fühlt sich der Film zu unentschlossen zwischen zwei gegensätzlichen Polen an.

5/10

 

Bildnachweis: 20th Century Fox

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