Film-Review: „Alita: Battle Angel“

Regie: Robert Rodriguez
mit Rosa Salazar, Christoph Waltz, Mahershala Ali, Jennifer Connelly

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Bereits einige Male hat sich die Traumfabrik eines Mangas angenommen, um daraus einen Kinofilm zu produzieren. Doch ob nun beispielsweise „Dragonball Evolution“ oder „Ghost in the Shell“, viele konnten weder die Fans der Vorlagen noch die Kritiker für sich begeistern. Den Kopf in den Sand stecken möchte man aber in Hollywood offenbar noch nicht und deswegen beehrt „Alita: Battle Angel“ die Leinwände. Dafür verantwortlich waren James Cameron und Jon Landau als Produzenten, die gemeinsam mit „Titanic“ und „Avatar“ immerhin die zwei erfolgreichsten Filme aller Zeiten zu verantworten haben. Auf dem Regiestuhl nahm wiederum Robert Rodriguez („Sin City“, „From Dusk Till Dawn“) Platz, der für Cameron übernahm, weil dieser zu sehr mit den „Avatar“-Fortsetzungen beschäftigt ist. Ob ihr gemeinsames Projekt endlich eine gute Mangaverfilmung hervorgebracht hat?

Das 26. Jahrhundert: Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) durchkämmt eine riesige Mülldeponie und stößt dabei zufällig auf den Kopf und den Torso eines Roboter-Mädchens, das er anschließend zusammenflickt und Alita tauft. Nachdem sie aufgewacht ist, fehlt ihr jede Erinnerung an ihr früheres Leben, aber schon bald muss sie auf äußerst unsanfte Art erfahren, dass in ihr in Wahrheit eine wahre Killermaschine steckt. Ihre Fähigkeiten erregen die Aufmerksamkeit von Kopfgeldjägern und Schergen, die sie für sich nutzen wollen…

Man kann nicht über „Alita: Battle Angel“ schreiben, ohne auch auf ihre überdimensional groß wirkenden Augen einzugehen. Der sicher für viele äußerst gewöhnungsbedürftige Look wurde kreiert, um sich vor dem traditionellen Stil der japanischen Comics zu verbeugen. Das mag per se eine löbliche Entscheidung gewesen sein, stellt sich allerdings auch als zweischneidiges Schwert heraus: Denn in Mangas und Animes (japanischen Trickfilmen) kommt es für gewöhnlich zu keinem stilistischen Bruch im Design einer einzigen Figur. Bei „Alita“ hingegen besteht durchaus eine Diskrepanz zwischen den Sehorganen der Titelheldin und dem ansonsten fotorealistisch zum Leben erweckten Rest des Körpers. Anders als zum Beispiel Caesar aus den „Planet der Affen“-Prequelfilmen, wo der Affe einheitlich erscheint, ziehen Alitas Augen stets alle Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich, was mitunter zur Ablenkung gerät.

Man muss zumindest zugutehalten, dass die Hauptfigur und insbesondere ihre Äuglein technisch sehr gut umgesetzt wurden, doch obwohl man während der circa 130 Minuten viel Zeit damit verbringt, tief in sie hineinzuschauen, so verbirgt sich dahinter leider keine zur Genüge ausgearbeitete Figur mit Seele. Großen Anteil an diesem Problem hat die Erzählung, denn es vergeht gefühlt kaum Zeit, ehe der Plot an Fahrt aufnimmt. Schnell werden Konflikte und Gefahren ersichtlich, die fortan den Film und die Figuren bestimmen, dazwischen eingestreute ruhigere Momente wirken nur pflichtschuldig eingebaut und erzeugen aufgrund ihres fehlenden, emotionalen Gewichts nur ein Gefühl von Abgedroschenheit. Kontext und ein Gefühl für Raum und Zeit werden ebenfalls nur sporadisch und eher unzureichend geliefert: Schnell verkommt die futuristische Stadt, in der die Story größtenteils spielt, zur bloßen Kulisse, Hintergründe zu dem Warum und Wie des Status Quo werden spärlich oder gar nicht geliefert.

Alita wird dabei nur geringfügig als die etabliert, die sie für den Rest des Films sein soll: Eine Teenager-Seele mit ganz eigenem Kopf, die nach einem jahrhundertelangem Tiefschlaf in einer ihr völlig neuen Welt erwacht. Doch für jemanden, der weder Orangen noch Schokolade kennt, navigiert sie allzu schnell viel zu souverän durch ihre Umgebung und scheint deshalb noch sehr viel von dieser zu verstehen. Das „Fish out of water“-Prinzip stößt in seiner Glaubwürdigkeit schon früh an seine Grenzen. Klar, sie ist ein Cyborg, in dem extreme Fähigkeiten und sicher auch Instinkte schlummern. Damit wird aber nur die Action legitimiert, ihre Handlungsmotivation wird aber eher verwässert. An einem Punkt heißt es nämlich, dass ihr früheres Leben sie darauf getrimmt hat, Konflikte zu suchen – schließlich ist sie eine wandelnde Kampfmaschine. Zugleich wird sie als impulsiver, leichtsinniger, risikofreudiger Teenie porträtiert. Wenn sie also mit großer Klappe einen Raum voller Kopfgeldjäger herausfordert, fragt man sich aber, ob hier die zum Kampf ausgebildete Kriegerin spricht oder eben doch nur das Kind in ihr. In solchen Momenten wirkt ihr Charakter seltsam unauthentisch, da nicht klar ist, warum genau sie so handelt.

Die übrigen Figuren bleiben ebenfalls blass: Die Oscarpreisträger Mahershala Ali und Jennifer Connelly agieren hölzern, haben allerdings auch nichts zum Spielen vom Drehbuch in die Hand bekommen und auch Keean Johnson als Alitas Love Interest Hugo bleibt vollkommen glatt und uninteressant. Aus dem Ensemble tut sich da noch am ehesten Christoph Waltz positiv hervor, der ausnahmsweise mal eine, gemessen an seinen sehr exzentrischen Rollen wie in „Django Unchained“ oder „Big Eyes“, zurückgenommene und sympathische Darbietung abliefert. Doch auch er kann diesen Film nicht retten, der auch in punkto Action nichts zeigt, was man nicht schon vorher oft genug so ähnlich gesehen hat: Lupenreine, klinisch sterile CGI-Prügeleien, die nur noch von den schwindelerregenden futuristischen Ballsportmatches unterboten werden. Als Sahnehäubchen gibt es noch ein Ende, das viele Fragen unbeantwortet lässt und mit seiner Hybris verärgert – mehr sei jetzt nicht weiter verraten.

Fazit: Wäre doch „Alita: Battle Angel“ auf dem Schrottplatz geblieben.

4/10

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