Film-Review: „Terminator: Dark Fate“

von Tim Miller

mit Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Mackenzie Davis, Gabriel Luna

t6

Ich komme wieder!“ Dieser Satz rangiert in der Liste der berühmtesten Filmzitate vermutlich irgendwo zwischen „Ich mache ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können“ und „Wir brauchen ein größeres Boot“ und ganz sicher noch vor „Hasta la vista, Baby!“ Gesprochen hat ihn Arnold Schwarzenegger 1984 als Cyberdyne Systems Modell 101 in James Camerons Überklassiker „Terminator“ – und der Rest ist bekanntlich Geschichte. Naja, „Rest“. Während „Terminator 2“ ebenfalls noch Filmgeschichte schrieb, hüllt man heutzutage über die drei nachfolgenden Filme im Franchise gerne mal den Mantel des Schweigens. Also warum sie nicht gleich ignorieren und es einfach besser machen? Es ist schwer, Regisseur Tim Miller und Produzent James Cameron eine gewisse Hybris abzusprechen, aber nun denn, sie haben halt mit „Terminator: Dark Fate“ den neuen offiziellen dritten Teil gemacht. Und mein Gott, wären sie, Linda Hamilton und Arnie ja nie wiedergekommen.

Dabei fängt alles recht vielversprechend an: Der Film öffnet mit einigen Aufnahmen aus „T2“, die Linda Hamilton anno 1991 zeigen. Wenig später wird auf eine grandiose Einstellung geschnitten, vielleicht eine der tollsten, die man im Kinojahr 2019 zu Beginn eines US-Blockbusters sehen konnte, wenn die Kamera Sand an einem Strand in einer Großaufnahme zeigt und dabei einfängt, wie das Wasser immer wieder drüber gespült wird. Nach und nach legt es einen Totenschädel frei, bevor die Kamera langsam hochfährt und ohne Schnitt den D-Day der Zukunft offenbart – großes Kino. Auf diesem inszenatorischen Level wäre „Dark Fate“ wohl ein Meisterwerk geworden, doch die Ernüchterung in Form der trendigen digitalen Verjüngungskur und einem haarsträubenden Logikloch folgt sogleich. Immerhin ist Arnie mit Knarre und Sonnenbrille zu sehen, also der Fanservice geht gleich von Anfang an in die Vollen.

In der Tat, wer „Terminator 2“ liebte, wird beim sechsten Film der Reihe durchaus auf seine Kosten kommen, zumindest oberflächlich: Arnie ist natürlich wieder da und dieses Mal schaut eben auch Linda Hamilton als Sarah Connor vorbei. Es gibt zahlreiche filmische Anspielungen und Zitate auf den legendären Vorgänger und Gabriel Luna gibt als Bösewicht alles als Robert-Patrick-Imitation. Sein Rev-9 ist der neueste heiße Scheiß im Zeitreiseroboter-Katalog und kann sich sogar in zwei Mördermaschinen aufteilen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, wieder nur eine weitere Variante des T-1000 zu sehen – und eigentlich wünscht man sich die furchtbar kalten Augen von Patrick direkt zurück.

Die Actionsequenzen sind nur solide inszeniert und rufen jede Menge Erinnerungen hervor: Lastwagen- und Helikopterverfolgungen, eine Flüssigmetallblechbüchse, die an einem Wagen hängend über die Straße geschliffen wird und so weiter. Hat man alles schon mal gesehen, nur übersichtlicher. Dafür gibt es noch mehr CGI-durchtränkte Momente, in denen die Figuren wilde und / oder luftige Manöver durchführen, als hätten sie das Marvel-Superhelden-Upgrade installiert bekommen. Das wird offenbar seitens der Macher als Intensivierung der Action angesehen, ist aber ultimativ nur typisch langweiliges, einfallsloses Geplänkel der Gegenwart. Von der im Vorfeld angepriesenen Härte fehlt auch jede Spur, zumal dann doch zumeist Metall gegen Metall kämpft. Die Sequenz in einem abstürzenden Flugzeug bei dadurch vorhandener Schwerelosigkeit ist aber definitiv ein positives Highlight des Films, das wiederum die übrigen Versäumnisse umso schmerzhafter aussehen lässt.

Erzählerisch muss man anerkennend betonen, dass sich das Action-Spektakel besonders in der ersten Hälfte durchaus jede Menge Zeit für ruhige und kontemplative Momente nimmt, um die Figuren vorzustellen. Das ist durchaus im Geiste von „Terminator 2“, der in der Hinsicht reich an Themen und Überlegungen ist und spürbar viel Liebe für die Figuren offenbart, die während ihrer Reise bedeutsame Beziehungen miteinander eingehen. In „Dark Fate“ wird dieser Versuch ebenfalls unternommen, doch das Vorhaben scheitert tragisch. John Connor ist in „T2“ so sehr Outlaw, wie ein Teenager es nur sein kann, mit einer scheinbar verrückten Mutter, ohne Vater und bei Pflegeeltern lebend. Im T-800 findet er mit der Zeit einen Freund und letztendlich auch so etwas wie einen Ersatzvater, während Sarah Connor in ihm alsbald einen respektablen Mitstreiter sieht.

In „Dark Fate“ sind über weite Strecken wieder drei verschiedene Personen auf der Flucht – wie zuvor ein junges Zielobjekt, Schutz und wieder Sarah. Ganz der modernen Zeit entsprechend (so manch böse Zunge möchte sicher an dieser Stelle „anbiedernd“ sagen), handelt es sich dieses Mal um drei Frauen, die aufeinander achtgeben. Statt Patchworkfamilie jetzt also das Matriarchat (oder doch eher das gleichgeschlechtliche Frauenpaar), denn „the future is female“, wie der Film in seinem sehr wenig subtilen Subtext in einem Schlüsselmoment regelrecht hinausposaunt. Schnell noch Teile der Handlung nach Mexiko verlegt, damit den Grenzstreit mit den USA und illegale Einwanderung abgegriffen und schon hat man einige beliebte politische Themen des Tages erfolgreich eingebaut. Sie allein machen den Film weder besser noch schlechter, aber sie werden vom Drehbuch im Stich gelassen, das keine klaren Anstalten macht, sie zur Genüge emotional zu füttern, weswegen sie am Ende doch nur wie faule Zugeständnisse an den Zeitgeist dastehen. Ob das alleine ausreicht? Das ist wohl eine andere Diskussion.

Diese Frauen gehen längst nicht so tiefe Beziehungen ein wie zuvor John und sein Beschützer, weshalb besonders am Ende die emotionale Glaubwürdigkeit verpufft. Die vielen Dialogszenen zuvor wirken vor diesem Hintergrund eher vergeudet und dienen ohnehin mehr der Exposition als der Etablierung der Figuren und der Bindung der Zuschauer an sie. Viel Mitgefühl für die Protagonisten ist also nicht gefordert, emotional fühlt sich das Werk damit ungleich leerer an als der zweite Teil.

Aber was ist mit Sarah Connor? Linda Hamiltons Rückkehr zur Filmreihe wird als einer der ganz großen Clous von „Dark Fate“ vermarktet und sicher auch zu Recht: Mit ihrer Darbietung in „T2“ ging sie in die Annalen der toughen und tollen Frauenfiguren der Filmgeschichte ein, die sich eine Nennung im selben Atemzug mit Sigourney Weavers Ellen Ripley aus dem „Alien“-Franchise verdient hat. Connors Entwicklung in den ersten beiden Filmen war beachtlich und doch glaubwürdig und auch mit Muckis und Knarren im Anschlag schienen stets Verletzlichkeit und Fürsorge für ihr Umfeld durch. Diese Sarah war hart aus purer Notwendigkeit und Verzweiflung und rang dabei mit ihrer eigenen Menschlichkeit.

Die neue Sarah wiederum ist beinahe eine Karikatur der abgebrühten Lady, die schon alles gesehen hat und jetzt von Tim Miller fast nur noch als coole, dauerfluchende Sau in Szene gesetzt wird. Statt einem echten, komplexen Charakter wirkt sie jetzt wie aus einem Baukasten für Actionfilmfiguren. Für Hamilton war es sicher ein Heidenspaß, sie wieder zu spielen, aber der Zuschauer und erst recht der Fan gewinnt kaum etwas. Zumal sie vom Skript eine hanebüchene Motivation erhält, die auch noch weiter Fragen zur inneren Logik des Films aufwerfen.

Apropos Logik: Da ist ja noch Arnie im Film, dessen pure Anwesenheit inhaltlich absolut lächerlich und sinnfrei ist und dessen Hintergrundgeschichte den Grenzen der (unfreiwillig?) komischen Selbstdemontage gefährlich nahekommt, sie vielleicht überschreitet. Seine Teilnahme wirkt eher wie eine traditions- und pflichtbewusste Dreingabe, aber immerhin ist die Altes-Ehepaar-Dynamik mit Hamilton moderat amüsant.

Fazit: „Terminator: Dark Fate“ ist ein sehr bemühter Film, aber am Ende nur „Terminator 2“ in sehr schlecht. Er komme nicht mehr wieder, sagt Arnie an einer Stelle sinngemäß – und man kann nur hoffen, dass das stimmt.

4/10

 

Bildnachweis: Fox Deutschland

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