Film-Review: „Early Man“

Regie: Nick Park

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„Wallace & Gromit“ oder „Shaun das Schaf“ – das britische Filmstudio Aardman Animations hat schon einige weltbekannte Marken hervorgebracht und einige Oscars eingeheimst für ihre Stop-Motion-Filme. Mit „Early Man“ steht nun das nächste Werk an, für das wieder einmal Nick Park verantwortlich zeichnet.

Die Steinzeit: Dug, sein Wildschweinkumpel Hognob und der Rest des Stammes verbringen friedlich ihr Leben im üppig bewaldeten Tal, immer auf der Jagd nach dem nächsten Kaninchen. Doch eines Tages wird ihr idyllisches Leben von der nächsten Stufe in der Menschheitsgeschichte bedroht – dem Bronzezeitmenschen! Mit seinen überlegenen Gerätschaften und Waffen fällt er ins Tal und vertreibt Dug und seine Freunde. Doch der will nicht so leicht aufgeben und fordert Lord Nooth und sein Regime heraus – zu einem Fußballspiel um die Zukunft des Tales!

Das Feld der Filmanimation ist vielfältig und doch kann man ziemlich sicher behaupten, das gegenwärtig computergenerierte Bilder den Mainstream fest im Griff haben – Disney/Pixar, Dreamworks, Universal, „Minions“ und Co., sie alle dominieren an den Kinokassen und selbst kleinere Produktionen schwören auf Rechenpower. Im Stop-Motion-Bereich haben sich in den letzten Jahren besonders Laika („Kubo – Der tapfere Samurai“, „Paranorman“) und eben Aardman hervorgetan. Doch vielmehr scheint es nicht zu geben, was international Aufmerksamkeit erregt. Schon alleine deshalb, und weil in derlei animierten Bildern immer eine Menge mühseliger Handarbeit steckt, muss man einen neuen Film wie „Early Man“ schon aus Prinzip ganz besonders warmherzig empfangen. Und zweifelsohne gilt erneut: Der Film sieht toll aus, die Animationen sind gelungen und strotzen nur so vor Details.

Aber am Ende des Tages sind all die verschiedenen Modi des Filmemachens doch zumeist eher kosmetischer Natur – was kann denn die Geschichte? Und leider überzeugt „Early Man“ in diesem Punkt eher weniger. An familienfreundlicher Unterhaltung möchte man vielleicht nicht die gleichen Maßstäbe setzen wollen wie an ein philosophisches Arthouse-Drama. Dennoch ist die Handlung rund um den Steinzeit-Fußball arg seicht ausgefallen. Die klassische Story vom Underdog verläuft hier so geradlinig und vorhersehbar wie auf Schienen ab, dass man bisweilen nur noch ungeduldig darauf wartet, wann denn endlich dieser oder jener Moment eintritt, den man schon seit den ersten Minuten antizipiert hat. Starke emotionale Momente kann das Drehbuch ebenfalls nicht vorweisen – außer jenen vielleicht, die einem erfundenen Fußballspiel innewohnen könnten (Stichwort: Elfmeter). Was bleibt sind einige Schmunzler und handwerklich grandios in Szene gesetzte, äußerst charmante Langeweile.

Fazit: Nett.

5/10

 

Bildnachweis: StudioCanal

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Film-Review: „Ingrid Goes West“

Regie: Matt Spicer
mit Aubrey Plaza, Elizabeth Olsen
Deutsche Heimkino-VÖ: 20. April 2018

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Schöne neue Welt: Man muss es eigentlich gar nicht mehr erwähnen, wie das Internet und insbesondere Soziale Medien unsere alltägliche Kommunikation und Wahrnehmung voneinander prägen. Durch unsere Profile auf diversen Plattformen werden wir zu Pseudokünstlern und Profis der Selbstvermarktung und geben vor, reicher, schöner, einfach besser zu sein als der Nachbar. Logisch, dass sich das Kino diesem Phänomen schon mehrmals angenommen hat und mit Matt Spicers Spielfilmregiedebüt „Ingrid Goes West“ wird ihm ein tragikomischer Stalkerdreh verpasst.

Ingrid (Aubrey Plaza) hat erst vor kurzem ihre Mutter verloren und ist anschließend bei einer Hochzeit ausgerastet. Deshalb findet sie sich wenig verwunderlich in psychiatrischer Behandlung wieder, aber als sie diese erfolgreich abschließt, ist das erst der Beginn einer folgenschweren Reise. Als die einsame Frau eines Tages in einem Magazin blättert und Taylor (Elizabeth Olsen) sieht, ist es um sie geschehen: Ingrid will unbedingt ihre Freundin werden, koste es was es wolle. Mit dem Erbe ihrer Mutter zieht sie ins sonnige Kalifornien und kommt ihrem Ziel schon bald sehr nahe…

Die Feststellung, dass das Netz und Seiten wie Facebook und Instagram nicht nur Vorteile haben, sondern auch Ursprung elendig vielfältiger virtueller wie realer Probleme ist, dürfte mittlerweile niemanden mehr überraschen. Von daher gewinnt auch „Ingrid Goes Plaza“ mit seiner deutlich kritischen Haltung keinen Innovationspreis. Wie der Film diese Erkenntnis vermittelt, steht allerdings schon wieder auf einem anderen Blatt geschrieben. Wie zu erwarten war, dominieren in den ersten Filmminuten Impressionen von Instagram das Filmbild, während Ingrid sich durch zahlreiche Updates scrollt. Die aus Einsamkeit und mentaler Labilität resultierende Obsession fängt Spicer wunderbar ein – indem er vor allem die extrem stark aufspielende Aubrey Plaza zur Genüge ins rechte (und doch verquere) Licht rückt.

Dieser Film gehört einzig ihr, wird die Geschichte doch ausschließlich aus ihrer Sicht erzählt, und Plaza dürfte mit Sicherheit eine der stärksten Darbietungen ihrer Karriere abliefern. Für ihre Ingrid sind die im Netz verbreiteten, unechten, gnadenlos oberflächlichen Eitelkeiten alles, was sie noch hat und Plaza gibt sie zu gleichen Teilen verzweifelt, eiskalt kalkulierend, mit einer Prise ihres unvergleichlichen komödiantischen Talents. Bei „Ingrid Goes West“ darf so mitunter gelacht werden, doch die meiste Zeit erschaudert man ein wenig vor der geballten und irgendwie doch psychologisch nachvollziehbar dargelegten Erbärmlichkeit, die die Titelfigur an den Tag legt. Da geht man auch schon mal eine Beziehung ein, nur weil diese vor den ach so coolen Freunden mit Traumleben in der Timeline glänzen kann. Und überhaupt dienen echte menschliche Verbindungen als Accessoires für den virtuellen Status, den man sich ausdrucken und einrahmen kann.

Die Hauptfigur ist also toll und wunderbar und mitleiderregend gestört – schade, dass Spicer und Co-Autor David Branson Smith nicht genügend Vertrauen in sie hatten. Ingrids Macken alleine würden schon zur Genüge dafür sorgen, dass die Ereignisse in der Geschichte eskalieren, doch als einer der finalen Katalysatoren für ihr Scheitern wurde mit Nicky (Billy Magnussen) eine unnötig überkandidelte, den Bogen überspannende Figur ins Skript geschrieben, derer es in der Form kaum gebraucht hat. Als penetrant-hyperaktives Arschloch wirkt er unpassend überzeichnet, was ihn beinahe zur einer Karikatur werden lässt, auch dann, wenn um ihn herum reichlich Klischees zu falschen It-Girls abgefeuert werden. Nicky wird in nur wenigen Minuten zu einem nervigen Störfaktor, der letztendlich nur einem einzigen Zweck innerhalb der Geschichte dient. Die Zuspitzung der Ereignisse durch ihn wirkt dadurch leider recht erzwungen.

Insgesamt bleibt aber ein positiver Gesamteindruck von „Ingrid Goes West“, denn das Thema bleibt dafür einfach nach wie vor viel zu relevant und die Darsteller liefern ab.

Fazit: „Ingrid Goes West“ wird von einer bärenstarken Aubrey Plaza getragen und zeigt punktgenau auf tragikomische Weise, dass man das inszenierte Leben im Netz nur schwer wahrmachen kann – man aber umgedreht sein echtes Leben wiederum zur Hölle machen kann, wenn man Verrückten so Zugang zu seiner Welt schafft. Das mag nicht neu sein, aber man kann einfach nicht oft genug drauf hinweisen.

7/10

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Bildnachweis: Universum Film GmbH

Film-Review: „A Quiet Place“

Regie: John Krasinski
mit Emily Blunt, John Krasinski

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Warum denn immer dicke Drehbücher mit ellenlangen Dialogen verfassen, wenn es auch viel einfacher geht? Manchmal reicht nur eine simple Idee, eine interessante Prämisse, die gekonnt und konsequent durchexerziert wird, um einen unterhaltsamen Film abzuliefern. Und genau das hat Regisseur und Hauptdarsteller John Krasinski mit „A Quiet Place“ getan.

Keiner weiß, woher sie kommen und was genau sie sind. Aber Außerirdische haben eines Tages die Welt angegriffen und alles zerstört. Die Überlebenden versuchen, sich in dieser neuen Zeitrechnung zurecht zu finden. Und eigentlich können sie auch ein relativ unbeschwertes Leben führen. Die einzige Bedingung: Sie müssen mucksmäuschenstill sein. Denn die Invasoren aus dem All hören extrem gut und greifen jede Geräuschquelle an, die ihnen nicht in den Kram passt…

Die Spielregeln sind schnell etabliert, dafür sorgt eigentlich schon der Filmtitel: Die von Emily Blunt, John Krasinski und anderen gespielten Protagonisten müssen möglichst still ihr Dasein fristen, ansonten locken sie grässliche Kreaturen an, die mit ihren Klauen alles in Stücke reißen. Aus der simplen Idee wird aber im Film wirklich beinahe alles herausgeholt, was in einem raumzeitlich begrenzten Rahmen und bei kurzer Spielzeit möglich ist: Die gesprochene Sprache fällt fast vollständig weg, stattdessen behelfen sich die Figuren mit Gebärdensprache und Mimik, während inszenatorisch visuelles Storytelling, Vorwegnahmen, ein präziser Schnitt und ein starker Soundteppich für einen maximalen Effekt sorgen.

Es ist erstaunlich, aber die Grundidee des Films sorgt für ein unterbewusst anderes Sehen. Die Exposition wird nicht ausufernd verbal abgehandelt, wie man es schon in unzähligen Filmen erlebt hat, stattdessen werden nahezu alle Informationen über das Bild vermittelt. Als Zuschauer blickt man dann umso konzentrierter auf die Leinwand und saugt jede Einstellung intensiv auf, so das subjektive Gefühl. Akustisch hingegen sorgt das große Schweigen im Anbetracht der Bedrohung für eine permanente Anspannung: Normalerweise verweisen Horrorfilme mit Stille auf den nächsten lauten Jumpscare. Aber wenn es die ganze Zeit ruhig und leise ist, dann sind sie weniger gut zu antizipieren, der plötzlich eintretende Schock auf der Tonspur wirkt umso gewaltiger.

In Bezug auf den Schrecken wird bei „A Quiet Place“ permanent an der Intensität geschraubt, immer neue Situationen ergeben sich aus der vorherigen, die auch noch zumeist in Bezug auf die Idee sehr schlüssig erscheinen. Doch eben weil man die Regeln der Filmwelt kennt, kann man noch besser mitfiebern, da man oftmals versteht, dass sich die Figuren in schier ausweglose Fallen manövrieren, aus denen nur schwer ein Entkommen ist, ohne dass es allzu erzwungen wirkt. Trotzdem kann auch ein so sorgfältig ausgearbeiterer Film nicht ohne kleinere Mäkel, von denen sich insbesondere der Einsatz eines „Gegenmittels“ hervortut, der ein wenig zu beliebig wirkt, obwohl auch dieses nicht ganz an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Erfreulicherweise wird bei all dem fabrizierten Terror die im Mittelpunkt stehende Familie in der Geschichte nicht zu einem Haufen farbloser Figuren degradiert. Krasinski widmet ihnen besonders in der ersten Filmhälfte viel Zeit und etabliert ihre Beziehungen untereinander auf rührende Weise. Gleichzeitig porträtiert er das Leben in Stille ausgiebig und stößt Gedanken über den plötzlichen Wegfall der gesprochenen Sprache und seinen Folgen an, dass man gerne zu dem Schluss kommen möchte: Eigentlich quasseln wir alle viel zu viel. All dies ist im Anbetracht der Tatsache, dass der Film ohne viel Kontext auskommt, durchaus eine Leistung. Warum die Welt so ist, wie sie ist, wird kaum erklärt – also woher die Aliens kommen und was ihre Motivation ist – und ebenso erfährt man nichts über die Personen vor den Geschehnissen im Film. Doch ihre Liebe und Zuneigung füreinander ist nicht einfach nur ein Klischee, sondern wirklich spürbar, die fantastischen Darsteller haben daran einen enormen Anteil.

Fazit: „A Quiet Place“ hat eine einfache, aber interessante Idee und tut verdammt gut daran, sich auch an sie zu halten. Ein höchst effektiver Ritt, der einen in seinen besten Momenten vor lauter Anspannung mit offenem Mund starren lässt und damit sprachlos macht.

8/10

 

Bildnachweis: 2017 Paramount Pictures. All Rights Reserved. / Jonny Cournoyer

Film-Review: „Pacific Rim 2: Uprising“

Regie: Steven S. DeKnight
mit John Boyega, Scott Eastwood, Charlie Day

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Riesige Roboter kämpfen gegen riesige, aus dem Meer emporsteigende Monster aus einer anderen Dimension – 2013 ließ Regisseur Guillermo del Toro mit seinem Actionkracher „Pacific Rim“ reihenweise Erwachsene wieder zum Kind werden, die sich einfach ganz unschuldig an dem gigantomanen Gekloppe ergötzen durften. Nun steht die Fortsetzung „Pacific Rim 2: Uprising“ in den Startlöchern, auf dem Regiestuhl nahm dieses Mal Steven S. DeKnight Platz. Ob seine Arbeit dem Vorgänger gerecht wird?

Jake Pentecost (John Boyega) sollte eigentlich in die ziemlich großen Fußstapfen seines Vaters Stacker treten, der sich einst im Kampf gegen die Kaiju geopfert hat. Doch daran hat er nicht das geringste Interesse und stattdessen schlägt er sich als Dieb und Dealer von Hehlerware durch. Seine zweifelhafte Karriere findet aber ein jähes Ende, als eine neue und bislang nie dagewesene Bedrohung die Menschheit angreift. Und auf einmal sind die Kaiju nicht mehr das einzige Problem auf der Erde. Jake hat keine andere Wahl, als seiner wahren Berufung doch noch zu folgen: Jägerpilot sein!

Der Vorgänger war schon kein Geniestreich und geht auch ganz sicher nicht in die Annalen der Filmkunst ein, aber ein souveränes Stück Actionkino im ganz großen Maßstab war „Pacific Rim“ allemal, das bei all dem Krawall trotzdem Stilbewusstsein und ein Herz für seine diversen (und teils überkandidelten) Figuren bewies. Gute Voraussetzungen für ein Sequel also, um darauf aufzubauen. Die Produktionsgeschichte zu „Uprising“ geriet jedoch ziemlich kompliziert, zwischenzeitlich galt das Projekt sogar als eingestampft und nicht weniger als vier Drehbuchautoren werden in den Credits genannt. Das Chaos macht sich leider auch im fertigen Film bemerkbar.

Denn der inhaltliche Fokus erscheint beim Schauen ziemlich unstet zu sein, weshalb man am Ende den Eindruck bekommt, dass viele Aspekte in der Story letztendlich dafür gesorgt haben, dass zu wenig Zeit auf das verwendet wird, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Kämpfe zwischen Robotern und Monstern und mittendrin vernünftig aufgebaute Figuren. Doch aus den vielen neuen und bekannten Protagonisten kann sich eigentlich nur John Boyega dank seines Charismas wirklich nach vorne spielen – trotz scheußlicher und abgedroschener Dialogzeilen, gegen die dann Leute wie Scott Eastwood oder auch Newcomerin Cailee Spaeny nur wenig überzeugend ankommen. Dafür wird man mit vermeintlicher Kritik zum Einsatz von Drohnen konfrontiert oder mit einer angedeuteten Dreiecksbeziehung, die Fremdscham erzeugt und Mitleid für Schauspielerin Adria Arjona.

Darüber hinaus gibt es auch gefühlt viel mehr von den beiden verrückten Wissenschaftlern Gottlieb (Burn Gorman) und Geiszler (Charlie Day) zu sehen. Doch während sie noch im Vorgänger als Comic Relief eingesetzt wurden und in der Funktion auch wohldosiert zum Einsatz kamen, sind ihre Auftritte im zweiten Teil vor allem eines: nervig. Das mag einerseits mit der zugenommenen Screentime zusammenhängen, die sie eben mit noch mehr komödiantischem und wenig lustigen Overacting zu füllen wissen. Zum anderen geht es auch um ihre Figuren selbst, denn insbesondere Geiszler muss für jede Menge peinliche Momente herhalten, die bei dem ach so lustigen Versuch, chinesisch zu sprechen, erst anfangen. Die irre Entwicklung seiner Figur setzt dem Ganzen noch die Krone auf, aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Fatalerweise kommen ausgerechnet die Hauptantagonisten des ersten Teils in dem durchaus wirr erzählten Plot dieses Mal zu kurz und das sind die Kaiju, diese Monster so hoch wie Wolkenkratzer, die alles zerstören, was sich ihnen in den Weg stellt. Ihre Auseinandersetzungen mit den erneut ziemlich coolen Jaegern (die auch wieder sehr coole Namen tragen – wer lässt die sich eigentlich einfallen?) sind doch eigentlich das Aushängeschild der Filme, der Grund, weshalb man ein Kinoticket kaufen geht. Unverzeihlich jedoch ist, dass sie bis zur finalen Schlacht nur eine untergeordnete Rolle in „Uprising“ spielen. Klar, ihre Präsenz ist jederzeit spürbar, aber wirklich eingreifen tun sie die meiste Zeit nicht. Stattdessen wird man mit kurzen Rückblenden, Simulationen, Grafiken oder Kurzauftritten fernab des hauptsächlichen Geschehens vertröstet.

Und wenn es dann endlich zur Sache geht, so wird man das Gefühl nicht los, dass der Film ein wenig zu sehr kompensieren muss, dass die Scharmützel sich zuvor eher auf Jaeger-gegen-Jaeger-Action konzentriert haben (die ist übrigens ganz solide – aber mal ehrlich, wer wollte das schon sehen?). Gleich drei Kaijus treten dann gegen vier Riesenroboter an, erwartungsgemäß folgt eine einzige Materialschlacht, die aber in ihrem tumben Exzess zwar auf den ersten Blick den Vorgänger in den Schatten zu stellen scheint, aber zugleich und zu diesem späten Zeitpunkt nur noch ermüdet. Das aufrichtige Interesse an dem Film wurde jedenfalls schon vorher verspielt. Dass die tollen Neonlichter und die allgemein starken Farben des Erstlings komplett abhanden gekommen sind, macht die Schmach perfekt, visuell ist der zweite „Pacific Rim“ einfach eine ganze Spur hässlicher geraten.

Fazit: „Pacific Rim 2: Uprising“ hat in vielerlei Hinsicht mehr, nur nicht mehr von dem, was man wirklich sehen will.

4/10

 

Bildnachweis: Universal Pictures International France

Film-Review: „What Walaa Wants“

Regie: Christy Garland

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Früher dachte ich bei Dokumentarfilmen immer zunächst einmal an staubtrockene Lehrfilmchen, denen es besonders im Vergleich zu Spielfilmen an wirklich aufregenden cineastischen Stilmitteln fehlte, an einer spannenden Dramaturgie oder dergleichen. Doch seitdem, so der subjektive Eindruck, sind Dokus sehr weit gekommen: Obwohl sie sicher noch immer in erster Linie die Welt, so wie sie ist, abbilden sollen und wollen, Informationen vermitteln und zum Nachdenken anregen, sind sie zugleich unterhaltsamer als je zuvor. Einfach nur abgebildet wird nicht mehr, stattdessen gibt es richtige Geschichten zu erzählen. „What Walaa Wants“ ist ein gutes Beispiel von der Berlinale 2018 dafür, dass eine Doku zugleich auch ein sehr guter Coming-of-Age-Film sein kann.

In den Palästinensischen Autonomiegebieten lebt die Teenagerin Walaa, deren Mutter schon seit Jahren in israelischer Haft sitzt. An einem solchen Ort und mit solch einem besonderen Familienhintergrund ist es kein Wunder, dass sie nicht wie die meisten Mädchen ist. Die aufmüpfige und selbstbewusste Walaa möchte jedenfalls nichts vom Heiraten und Kinderkriegen wissen, stattdessen will sie unbedingt Polizistin werden. Doch die Ausbildung ist hart und schon bald muss sie erkennen, dass sie mit ihrer Art ihrem Traum nicht so leicht näher kommen kann…

Über fünf Jahre begleitete Filmemacherin Christy Garland ihr Subjekt in einer der polistisch brisantesten Gegenden der Welt, wo auch die Präsenz von Schussgeräuschen nicht besonders außergewöhnlich ist. Dabei sind sie und ihr Team Walaa stets ganz dicht auf den Fersen, wodurch ein spannendes Porträt einer jungen Frau entsteht, die unter schweren Bedingungen aufwächst. Durch den recht großen Zeitraum, vom 15. bis zum 20. Lebensjahr Walaas, dürfte sicher eine Fülle an Filmmaterial zusammengekommen sein. Dieses wurde zu einer rührenden Geschichte über eine aufmüpfige Außenseiterin auf dem Weg zum Erfolg und zu persönlicher Reife montiert. Die Entwicklung bei der Protagonistin wird im Laufe der Spielzeit immer deutlicher und fast wähnt man sich ein wenig an „Boyhood“ erinnert, wenngleich ohne ähnlich große, optische Veränderungen seitens der Hauptperson. Die trägt den Film übrigens ohne große Mühen – Walaa ist zumeist energisch, laut und lustig und hat schnell die Sympathien der Zuschauer auf ihrer Seite.

Eines sollte man sich allerdings immer vor Augen führen: Dies ist die Geschichte eines einzelnen palästinensischen Mädchens. Demzufolge lässt der Film auch nur ihre Sicht der Dinge zu, eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt darf man jedenfalls nicht erwarten. Diese Einseitigkeit mag durchaus problematisch sein und sollte unbedingt ins richtige Licht gerückt werden, vor allem, wenn der Film von Jugendlichen gesehen wird. Denn die soll der Film in erster Linie ansprechen (der Film lief in der Kinder-und Jugendsektion der Berlinale „Generation“) und als Jugendfilm, der eben von einer jungen Protagonistin erzählt, funktioniert er auch sehr gut. Solange man also für sich selbst die richtige, relativierende Distanz aufbringt, kann man sich an dem Ergebnis auch wirklich erfreuen.

Fazit: „What Walaa Wants“ liefert einen authentischen Einblick ins Leben in den Palästinensischen Autonomiegebieten und erzählt zugleich eine rührende Coming-of-Age-Geschichte mit einer starken Protagonistin im Mittelpunkt.

9/10

Bildnachweis: Christy Garland

Film-Review: „Maria Magdalena“

Regie: Garth Davis
mit Rooney Mara, Joaquin Phoenix

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Die Bibel ist ein Dauerbrenner, ein echter Klassiker der Menschheitsgeschichte, wenn man es mal ganz plump und frei von jedwedem religiösen Ballast mal formulieren möchte. Und weil dieses Buch so unfassbar viele Fans hat, verwundert es kaum, dass es mittlerweile auch unzählige Filme gibt, die sich des einen oder anderen Kapitels angenommen haben. Offenbar gibt es noch heute einen regen Bedarf daran, Bibelgeschichten für die große Leinwand zu adaptieren – aber braucht man das heutzutage wirklich noch?

Den Gedanken von Sinn und Unsinn mal kurz beiseite geschoben – vielleicht sollte man biblische Geschichten einfach so ähnlich betrachten wie „Schwanensee“ fürs Ballett oder irgendetwas von Beethoven in der klassischen Musik: Das sind einfach Evergreens, die man immer und immer wieder den Leuten vorsetzen kann. In diesem Zusammenhang passt es dann auch, dass Regisseur Garth Davis sich nun mit „Maria Magdalena“ die gleichnamige Frauenfigur aus der Bibel vorgeknöpft und ihr ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

Wenig verwunderlich (zumindest für den bibelfesten Menschen) wird die Geschichte der Maria Magdalena (Rooney Mara) allerdings kaum von ihr selbst vorangetrieben, sondern von Jesus Christus (Joaquin Phoenix). Als der eines Tages in ihrer Heimat einen Zwischenstopp einlegt und Wunder vollbringt, ist Maria sofort von diesem Heiler und späteren Messias fasziniert, dass sie sich ihm prompt anschließt. Der weitere Verlauf des Films folgt in groben Schritten der Geschichte Jesu bis hin zu dessen Kreuzigung und Wiederauferstehung. Das ist allseits bekannt, erfrischend und durchaus zeitgemäß feministisch ist jedoch die Erzählperspektive ausschließlich aus der Sicht Marias – einer Frau.

Die wird gleich zu Beginn als eigenständig denkende und handelnde Person eingeführt, die sich von ihrer Familie aus eigenem Willen lossagt und auch die männlichen Anhänger Jesu beizeiten hinterfragt, die in ihr eine potentielle Gefahr für die Gruppe sehen. Am Ende, so macht es der Film unmissverständlich klar, sind eben die Frauen Träger der positiven Botschaft von Liebe, während den Männern eindeutig eine negative, weil gewalttätige Assoziation zukommt. Eine interessante Aussage im Anbetracht dessen, dass man konservativen Christen noch heute rückwärtsgewandte Familienstrukturen und Rollenverteilungen nachsagen möchte. Aber an wen ist die jetzt genau adressiert? An die Feministen, die ihren Glauben finden wollen? Oder eben an jene Bibelfanatiker, denen die Augen aufgespreizt gehören? So ganz sicher kann man sich über die Motivation und vielleicht auch Daseinsberechtigung des Films nicht sein.

Trotz aller progressiven Aussagen, die in „Maria Magdalena“ stecken, ist der Film zugleich auch seltsam altbacken. Die Perspektive mag ungewöhnlich sein, aber das, worauf der Blick fällt, erscheint trotzdem in einem kaum anderen Licht, als in anderen Adaptionen der Bibel. In der Zelebrierung von Glauben und Jesus wirkt das Werk traditionell, gewöhnlich und auch vorsichtig, um ja niemandem zu sehr in seiner religiösen Überzeugung auf den Schlips zu treten.

Und so entsteht oftmals ein sehr zwiespältiger Eindruck von den Film, der viele gegensätzliche Dinge zugleich ist: Fortschrittlich und konservativ, die gelungenen Bilder und das Voice-Over sorgen für poetische Momente, während an anderen Stellen die Grenze zum haarsträubenden Kitsch mindestens gestriffen, wenn nicht sogar überschritten wird und das trotz oder gerade wegen der gelungenen Darbietungen der Darsteller. Da muss dann auch der an sich sehr schöne Score von Hildur Guðnadóttir und dem erst kürzlich verstorbenen Jóhann Jóhannsson zur Verantwortung gezogen werden, durch den eben so manche Szene noch eine zusätzliche, mitunter unnötige emotionale Dimension verliehen wird, dass es auch der letzte begriffen hat, wie bedeutungsvoll das doch alles ist. Und obwohl der Film durch die Hauptfigur anfänglich interessant erscheint – da alles weitere ohne jedwede Überraschungen über die Bühne geht, ist „Maria Magdalena“ über die zweistündige Laufzeit schlichtweg zu langweilig.

Fazit: Gute Darbietungen, audiovisuell ein Genuss und sogar zeitgemäß – aber wen soll „Maria Magdalena“ jetzt wirklich von sich bekehren? Zumindest den durchschnittlichen Kinogänger wird diese Frage wohl kaum interessieren. Der hat nämlich alle Hände voll damit zu tun, nicht einzuschlafen.

5/10

Bildnachweis: 2018 Universal Pictures International

Film-Review: „303“

Regie: Hans Weingartner
mit Anton Spieker, Mala Emde

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Unterwegs findet man nicht selten zu sich selbst und zueinander und auch das Kino hat schon oft von der Bedeutung des Reisens auf vielfältige Weise erzählt, gibt es doch schließlich das Roadmovie-Genre. Auch in „303“ sind die beiden Hauptprotagonisten ständig in Bewegung: Von Deutschland bis nach Portugal geht es und zwar in einem Wohnwagen des titelgebenden Modells 303.

Die Studenten Jule (Mala Emde) und Jan (Anton Spieker) lernen sich zufällig an einer Raststätte kennen. Sie will mit ihrem Wohnwagen ihren Freund in Portugal besuchen, der dort an seiner Doktorarbeit schreibt, er will in Spanien seinen leiblichen Vater besuchen, den er noch nie gesehen hat. Weil ihn die Mitfahrgelegenheit versetzt, darf Jan kurzerhand bei Jule mitfahren. Eigentlich soll der gemeinsame Trip nur bis Köln gehen, ehe Jan von dort aus den Bus nehmen will. Doch nach einigen hundert Kilometern werden spontan einfach weitere rangehängt und unterwegs philosophieren die beiden gegensätzlichen Menschen über ihre Ansichten zur Welt, dem Kapitalismus…und der Liebe.

Roadmovies laufen oftmals Gefahr, durch die verschiedenen Zwischenstopps auf der Reise der Figuren etwas sehr episodisches und damit abgehacktes zu erhalten, was dem Sehvergnügen nur bedingt zuträglich ist. Doch obwohl auch in „303“ eine enorme Strecke zurückgelegt wird und die Figuren oft genug Halt machen, fließt Hans Weingartners Film nur so locker-leichtfüßig dahin. Enormen Anteil daran haben die vielen Diskussionen zu den verschiedensten Themen, über die sich Jule und Jan näher kennenlernen und die den Film über weite Strecken zusammenhalten. In ihren vielen Dialogen zeigen sich deren gegensätzlichen Ansichten zum Leben und auch wenn sie dadurch hin und wieder aneinandergeraten, freunden sie sich nur umso mehr an. So läuft das einfach – Fremde kommen sich in offenherzigen Gesprächen näher und Weingartners Skript fängt das auf authentische wie unterhaltsam Weise ein. Im Grunde genommen sieht man einfach zwei Studenten beim Reden zu – stets ein wenig aufschlussreich, aber auch nie ohne eine gewisse Naivität.

Und irgendwie kommt man doch am Ende des Tages gewissermaßen zu der Einsicht, dass Leben und Liebe einfach nur toll sind. Je näher sich Jule und Jan kommen, desto romantischer und auch optimistischer wird der Wohlfühlfilm mit Fernwehgarantie. Immer wieder streut die Inszenierung schöne, postkartenwürdige Bilder ein, dudelt die entspannte Singer-Songwriter-Musik auf der Tonspur, es wird im Wald spazieren gegangen oder auch mal mit Klamotten ins Meer gesprungen. Wie geil doch alles sein kann, möchte der Film einem offenbar sagen, wenn man denn nur den richtigen Menschen an der Seite hat und man gewillt ist, einfach mal alles stehen und liegen zu lassen – „YOLO – Der Film“ könnte ein passender Alternativtitel für Weingartners Werk sein. Natürlich darf da auch die Entdeckung wahrer Liebe nicht fehlen, nachdem sie zuvor ausgiebigst erörtert wurde.

Mala Emde und Anton Spieker sind dabei die perfekten Darsteller für die Rollen der Studenten, die ihre Gefühle nicht hinter ihrer eigenen Intellektualität verbergen können. Die Chemie zwischen ihnen passt und das Drehbuch sorgt dafür, dass durch immer häufigere kleine Gesten und Blicke die gegenseitige Anziehungskraft steigt, bis es kaum noch auszuhalten ist. Verdientermaßen gab es im Publikum auch Applaus, als sich das Unvermeidliche endlich einstellt. In „303“ dürfte sicher einer der am längsten und genaustens vorbereiteten Küsse der jüngeren Filmgeschichte vorkommen. Seltsamerweise sind Emde und Spieker zu Beginn des Films aber auch dessen schuldig, zwei kurze (und zugegebenermaßen im Gesamtbild des Films recht unwichtige) Gefühlsausbrüche mit fest angezogener Handbremse und damit unerwartet schlecht zu spielen – geschenkt.

Weitaus störender ist jedoch die Entwicklung in der Handlung kurz vor Ende des Films, auf die nicht allzu sehr eingegangen werden soll. Es vermittelt jedenfalls den Anschein, das Skript würde nach all der gezeigten Geduld und Sorgfalt plötzlich ein paar plötzliche und grobe Haken zu viel schlagen, um zum Ziel zu kommen. Ferner ist es etwas irritierend, in einem Film über zwei ziemlich aufgeweckte und aufgeklärte junge Menschen der Jetztzeit auf eine ziemlich altbackene Rollenverteilung der Geschlechter hinzuweisen. Für gewöhnlich störe ich mich an derlei Dingen gar nicht, aber zu Beginn scheint der Film doch sagen zu wollen: Frau kann alles alleine, außer sich selbst im Notfall verteidigen. Fürs Grobe und als Beschützer ist ein Mann immer noch zuständig und von daher auch ein guter Wegbegleiter. Übrigens sind Männer mit eigenem Wohnwagen auf Raststätten potentielle Vergewaltiger – ein arg grober, erzwungener und unnötiger Zug im Drehbuch.

Fazit: „303“ ist hinreißend schön und unverschämt romantisch mit kleinen Mäkeln im Skript.

7/10

Bildnachweis: Kahuuna Films GmbH / Sebastian Lempe, Mario Krause

Film-Review: „Isle Of Dogs – Ataris Reise“

von Wes Anderson
mit Bryan Cranston, Liev Schreiber, Scarlett Johansson

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Typisch. Das sagt man ja gerne mal, wenn etwas eintrifft, das aufgrund vergangener Erfahrungen wenig überraschend erneut eintritt. Typisch, dass dieses und jenes passiert, typisch, dass Person X das jetzt getan hat. Oft genug fällt das Wort in einem negativen Zusammenhang, ab und an in einem eher neutralen, wenn es um die Beschreibung von Eigenschaften geht. Aber wann kommt es einem selbst in einem aufrichtig positiv empfundenen Moment über die Lippen? Das dürfte vermutlich schon deutlich seltener passieren. Aber „Isle Of Dogs – Ataris Reise“ ist typisch Wes Anderson – im allerbesten Sinne.

In einer nicht allzu fernen Zukunft gibt es in Japan ein paar Hunde zu viel und zu allem Überfluss geht von ihnen auch noch eine neuartige Krankheit aus. Als radikale Maßnahme beschließt deshalb der Bürgermeister von Megasaki City, dass alle Hunde auf eine Insel voller Müll gebracht werden. Auch Spots (Originalstimme: Liev Schreiber), Leibwächterhund von Atari (Koyu Rankin), Ziehsohn des Bürgermeisters, wird weggeschickt. Doch Atari will ihn zurückholen und so macht er sich alleine auf eine abenteuerliche Reise nach Trash Island. Dort trifft er auf eine Gruppe anderer Hunde, zu denen auch der Streuner Chief (Bryan Cranston) gehört. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Spots…

Mit „Isle Of Dogs“ legt Anderson nach „Der fantastische Mr. Fox“ seinen zweiten Stop-Motion-Animationsfilm vor. Natürlich bietet sich das Genre bei einer Geschichte über sprechende Hunde an, aber abgesehen davon ist auch das jüngste Werk des Filmemachers durch und durch, nun ja, typisch für ihn: Beim Anblick einer wunderbar symmetrischen Einstellung gleich zu Beginn fühlt man sich sofort wie Zuhause, die visuelle Handschrift des Regisseurs ist einfach unverkennbar und dominiert auch hier wieder die Bildgestaltung. Erstaunlich, dass sich die Wiederholung des Bekannten aber zu keiner Sekunde abnutzt, bei Anderson ist sie fester Teil seiner künstlerischen Identität und wird dementsprechend erwartet, ja geradezu herbeigesehnt. Dazu zählt aber nicht nur die Wahl des richtigen (und vertrauten) Bildausschnitts, sondern auch die Detailverliebtheit darin. Die Kostüme der Figuren und die Sets wurden liebevoll gestaltet und mit allerlei kleinen Einfällen versehen.

Aber nicht nur filmisch ist der Film ein waschechter Wes Anderson: Auch seine Hunde dürfen furztrocken, ernst und gerade deshalb so lustig den perfekt getimeten, skurrilen Humor ihres Schöpfers zum Besten geben, den Fans noch in jedem seiner Kinofilme vorfinden. Dass sich für die Sprechrollen einige der namhaftesten Stars der Traumfabrik zusammengefunden haben, ist hierbei das Sahnehäubchen bei diesem flott erzählten Werk, das voller kleiner Ideen ist. Wollte man spontan überhaupt etwas kritisieren, dann dass einige antagonistisch auftretende Figuren eine Spur zu rasch geläutert werden – aber auch das kann durchaus als Teil der humoristischen Gesamtplans verstanden werden.

Fazit: Wes Anderson ist zurück und präsentiert sich mit „Isle Of Dogs – Ataris Reise“ wie eh und je. Fans werden definitiv glücklich sein. Hundliebhaber sowieso.

8/10

Film-Review: „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“

von Guillermo del Toro
mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Octavia Spencer

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Der mexikanische Filmemacher Guillermo del Toro beherrscht übergroße Blockbuster-Krawallnummern wie „Pacific Rim“ genauso gut wie vergleichsweise kleinere, intimere Werke wie „Pan’s Labyrinth“. Gemein ist ihnen jedoch, dass zumeist ein fantastisches Element in seinen Geschichten eine zentrale Rolle spielt – Roboter, Monster, Geister und dergleichen waren in seinen Filmen schon zu sehen. Sein jüngstes Werk „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“ schlägt in dieselbe Kerbe und erzählt von der Liebe zwischen Mensch und Fischwesen.

Elisa (Sally Hawkins) ist stumm und verdient sich ihre Brötchen als Putzkraft in einem Hochsicherheitslabor zu Zeiten des Kalten Krieges. Eines Tages bekommt sie zufällig mit, wie eine seltsame Wasserkreatur ins Labor gebracht wird, damit an ihm Experimente und Forschungen durchgeführt werden können. Doch zwischen Elisa und dem Wesen entsteht bald eine enge Verbindung und schon bald plant sie dessen Befreiung. Der skrupellose Strickland (Michael Shannon) hat sich allerdings schon an ihre Fersen geheftet…

„Shape Of Water“ ist ohne wenn und aber wunderschön anzuschauen. Von den altmodischen Kostümen hin zu den Sets, jede Einstellung im Film quillt nur so über vor Detailverliebtheit und Sorgfalt. Durch die leuchtenden Farben, die feine Kameraarbeit von Dan Laustsen und dem Score von Alexandra Desplat wird eine zauberhafte Atmosphäre heraufbeschworen, die durch zahlreiche alte Songs und Filmausschnitte mit einer gehörigen Portion Nostalgie unterfüttert wird. Aber wenngleich die dicke Schicht der hübschen Retroglasur durchaus perfekt zur märchenhaft anmutenden Liebesgeschichte passt, so kann man sich beizeiten nicht des Eindruckes erwehren, dass es zugleich ein wenig zuviel des Guten ist: Dann ertönt halt noch ein alter Song mehr, wird noch einmal auf einen Hollywoodklassiker verwiesen und ein kleines Tänzchen aufgeführt und damit der glorreichen Geschichte der Traumfabrik die Ehre erwiesen, dass es beinahe penetrant und berechnend in Bezug auf die Oscarverleihung wirkt – schließlich hat die Academy schon oft bewiesen, dass sie derlei Filme mag.

Die Handlung verläuft in relativ konventionellen Bahnen und erinnert ein wenig an „Die Schöne und das Biest“, ohne jedoch eine vollständig ausgearbeitete Figur als Biest zu präsentieren. Die Beziehung zwischen Elisa und Fischmann wird nur sehr einseitig dargestellt, zumal die Kreatur trotz menschenähnlicher Statur weitestgehend wie ein Tier mit nur begrenztem Kommunikationsvermögen erscheint. Dadurch geht der Story gerade einiges an möglichen Emotionen verloren, die auch sonst recht überraschungsarm voranschreitet – lediglich die Intensität einiger heftiger Gewaltmomente erwischen einen in diesem sonst eher romantisch-verträumten Kontext völlig unerwartet.

Was „Shape Of Water“ trotz einiger Mängel und über die schicke Oberfläche hinaus unbedingt sehenswert macht, ist das Schauspielensemble. Allen voran Sally Hawkins als Elisa ist jeden Cent des Eintrittsgeldes wert. Ohne gesprochene Sprache zur Verfügung zu haben muss sich die britische Mimin überwiegend auf ihr lebhaftes Minenspiel verlassen, dem man allerdings jede noch so kleine Nuance entnehmen kann und das den Zuschauer vollends für sich gewinnt. Es sind dann auch tatsächlich ihre Darbietung und ihre Figur der Elisa, die das Herz des Films sind und eben nicht die Liebesgeschichte zweier Außenseiter. Ohne Hawkins wäre der Film nur noch halb so sehr zu empfehlen. An ihrer Seite brillieren allerdings auch Richard Jenkins und Octavia Spencer, die für humoristische Momente sorgen (aber nicht nur) sowie der genüsslich diabolisch aufspielende Michael Shannon.

Fazit: „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“ wird getragen von einer superben Performance der Hauptdarstellerin, aber ein letztes Quäntchen mehr hätte es insbesondere in Bezug auf die Geschichte schon sein dürfen.

7/10

Film-Review: „Pitch Perfect 3“

von Trish Sie
mit Anna Kendrick, Rebel Wilson, John Lithgow

Pitch Perfect 3

Das Rad wurde mit „Pitch Perfect“ 2012 vielleicht nicht neu erfunden, aber eine gelungene College-Komödie war das Werk von Jason Moore allemal, das dabei auch noch den Star-Status von Anna Kendrick festigte und den von Rebel Wilson begründete. 2015 nahm dann Elizabeth Banks das Zepter in die Hand für das Sequel, das zwar bei vielen nicht mehr ganz so gut ankam, etablierte Figuren und Handlungsstränge aber halbwegs sinnig fortführte. Nun kommt „Pitch Perfect 3“ in die Kinos und wieder einmal nimmt jemand Neues auf dem Regiestuhl Platz – Trish Sie. Und mit ihr als kreative Kraft wird die Reihe gnadenlos gegen die Wand gefahren.

Dabei gibt es wieder viele der altbekannten Zutaten: Platten Humor, viele Gesangseinlagen, sogar einen Riff-off, bei dem sich in den vorherigen Teilen verschiedene Gesangsgruppen im direkten Duell miteinander gemessen haben und der in Teil 3 für einen zwar wohlklingenden, aber am Ende doch nur ausgedehnten Fremdschämmoment für die Hauptprotagonisten herhalten muss. Zusammengehalten wird der Film übrigens von einer hanebüchenen Erzählung, in der scheinbar wahllos Ideen hineingeschmissen wurden, ohne dass diese jemals zu Ende gedacht wurden.

So wird im Film besonders zu Beginn überraschend viel Zeit darauf verwendet, verschiedene romantische Elemente in Stellung zu bringen. Doch werden diese dann auch konsequent durch den Film hindurch weiter ausgebaut? Nein! Stattdessen werden sie links liegen gelassen und erst im Abspann (!) pflichtschuldig und vollkommen unmotiviert wieder aufgegriffen, als hätten Autoren und Cutter verschlafen, dass diese Handlungselemente überhaupt einmal eingeführt wurden.

Und überhaupt: Während es zu Beginn noch danach aussieht, dass die Geschichte der Barden Bellas tatsächlich konsequent weiter erzählt wird, wird die Prämisse, dass die Mädels sich nun ihren eigenen Leben widmen müssen, schnellstmöglich wieder zum Fenster rausgeworfen. Dass man eine Mini-Tour plus Wettbewerb im Schlepptau des Militärs absolvieren kann, erweist sich inhaltlich nur als fauler Vorwand, schlussendlich doch noch einmal genau dasselbe wie die Vorgänger zu servieren – nur in allen Belangen irrelevanter, nerviger, dysfunktionaler, einfach schlechter. Man singt, man ist der Underdog, Beca (Anna Kendrick) kocht ihr eigenes Süppchen und am Ende, so viel sei verraten, gibt es die Gesangsnummer, die alle harmonisch wieder zusammenbringt.

Am Ende erzählen sich die Mädels, was sie mit ihren Leben noch so vorhaben. Ja, hat denn niemand von den Beteiligten den zweiten Teil gesehen? Schon dort gab es eine Szene am Lagerfeuer, wo es genau darum ging! Ferner dachte man sich wohl, dass man nun auch so etwas wie Action im Film bräuchte und zauberte so einen horrenden und erzwungenen Plot zu Fat Amy (Rebel Wilson) und ihrem Vater aus dem Hut, bei dem auch noch etwas spektakulär in die Luft fliegen darf. Plump, nervig und so gar nicht „Pitch Perfect“, wo es doch zuvor zuallererst um den gesanglichen Wettstreit ging. Dass man es zudem auch noch schafft, illustre Nebenfiguren noch mehr in den Hintergrund zu rücken, ist unverzeihlich: Lilly (Hana Mae Lee) war in den Vorgängern ein echter Szenendieb mit Kultpotential und wird jetzt Opfer einer enttäuschenden Auflösung, die das ganze Konzept ihrer Figur komplett zunichte macht.

Fazit: Vermutlich könnte man noch weiter ausführen, was alles an „Pitch Perfect 3“ so ärgerlich ist. Und obwohl schon die ersten beiden Teile insgesamt kaum die Filmwelt revolutioniert haben, so ist der neue Film trotzdem eine der größten Enttäuschungen des Kinojahres 2017, der im Grunde alles falsch und zunichte macht, was die Vorgänger noch ausgezeichnet hat und weshalb diese überhaupt so viele Fans gefunden hatten. „Pitch Perfect 3“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie man eine unterhaltsame Filmreihe tötet.

3/10